Der konservative Politiker Marcelo Rebelo de Sousa hat bei der Präsidentschaftswahl in Portugal schon in der ersten Runde die absolute Mehrheit errungen. Das teilte die Wahlbehörde CNE in Lissabon nach Auszählung von mehr als 99 Prozent aller Stimmen mit. Demnach kam der 67-Jährige auf 52,4 Prozent. Zu einer Stichwahl kommt es damit nicht. Am 9. März soll der Wahlsieger vereidigt werden.

Weit abgeschlagen hinter Rebelo de Sousa landete sein aussichtsreichster Rivale Antonio Sampaio da Novoa. Der unabhängige Linkspolitiker bekam knapp 23 Prozent der Stimmen. Marisa Matias, Kandidatin des Linksblocks, welcher der griechischen Syriza-Partei nahe steht, schnitt mit zehn Prozent der Stimmen überraschend gut ab. Die ehemalige sozialistische Gesundheitsministerin Maria de Belem Roseira errang etwas mehr als vier Prozent der Stimmen, der Kommunist Edgar Silva 3,87 Prozent.

Die Wahlbeteiligung in dem 10,4 Millionen-Einwohner-Land lag den Angaben zufolge bei rund 48 Prozent und damit über dem Rekordtief von 46,5 Prozent bei der vorherigen Präsidentschaftswahl im Jahr 2011.

Rebelo de Sousa will Kompromisse mit Sozialisten schließen

Nach seinem Triumph kündigte Rebelo de Sousa an, sich für eine "gesunde" Finanzpolitik einsetzen zu wollen. Er erwarte von der Mitte-links-Regierung, dass sie für mehr Wirtschaftswachstum sorge, dabei aber die finanzielle Stabilität nicht untergrabe, erklärte de Sousa in seiner Siegesrede. Ministerpräsident António Costa versprach "volle Kooperation". De Sousa hatte schon in Umfragen vor der Wahl deutlich vor den anderen neun Kandidaten gelegen. Der Mitte-rechts-Kandidat will nach eigenen Worten Brücken zwischen den Parteien bauen und keine Unruhe stiften. Der auch als TV-Journalist bekannte Rechtswissenschaftler versprach im Wahlkampf, alles zu tun, um die Stabilität der Regierung zu sichern, sollte er gewählt werden. Er wolle nach Kompromissen streben, statt die Lager zu spalten.

Seit zwei Monaten amtiert in Portugal eine sozialistische Minderheitsregierung, die auf Unterstützung der Grünen und Kommunisten angewiesen ist. Ein Linksbündnis hatte zuvor die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho gestürzt. Der Präsident hat in Portugal überwiegend repräsentative Funktionen, kann allerdings im Krisenfall das Parlament auflösen. Sousa dürfte das Parlament frühestens im April – sechs Monate nach der Wahl im Oktober – auflösen.

Beobachter gehen nicht davon aus, dass sich die jetzige Regierung vier Jahre halten kann. Damit kommt dem künftigen Staatsoberhaupt besondere Bedeutung zu. Der bisherige Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva scheidet nach zwei Amtszeiten aus.