Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit mit der Nato wieder zu verstärken. "Russland würde gern wieder mit der Nato zusammenarbeiten, Gründe und Gelegenheiten gäbe es genug", sagte Putin der Bild-Zeitung. Aber es sei wie im richtigen Leben: "Eine glückliche Liebe ist nur eine, die erwidert wird. Wenn man nicht mit uns zusammenarbeiten will, na bitte, dann eben nicht."

Der russische Präsident betonte auch seine Bereitschaft, wieder an G-8-Treffen teilzunehmen. Die Treffen "waren alles in allem durchaus nützlich, denn es ist immer gut, alternative Meinungen auszutauschen und Russland zuzuhören". Die G-7-Staaten hatten die Teilnahme Russlands an den Treffen ausgesetzt, nachdem es wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im Frühjahr 2014 zu starken Spannungen gekommen war.

Putin bestritt in dem Interview, dass sein Land wieder eine Großmacht werden wolle. "Nein, wir beanspruchen die Rolle einer Supermacht nicht. Das ist viel zu teuer und unnötig." Die Äußerung von US-Präsident Barack Obama, wonach Russland nur noch eine Regionalmacht sei, habe er allerdings "nicht ernst genommen", sagte Putin. Er widersprach damit Einschätzungen, wonach er die Äußerung Obamas als Kränkung empfunden hat.

Asyl in Russland für Assad?

Die Aufnahme des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nach seinem Rücktritt schloss Putin nicht aus. "Es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre", sagte Putin mit Blick auf den früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der nach seinen Enthüllungen der geheimen US-Programme zur Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation in Russland Asyl beantragt hatte.

Die Bundesregierung hatte bereits 2012 die Aufnahme Assads in Russland ins Spiel gebracht, doch hatte Moskau die Idee, ihm Asyl zu gewähren, damals als "Witz" zurückgewiesen. Putin sagte nun, er sei der Meinung, "dass Präsident Assad viel falsch gemacht hat im Laufe dieses Konflikts. Aber dieser Konflikt hätte niemals eine solche Größe gewonnen, wenn er nicht von außerhalb Syriens befeuert würde – mit Waffen, Geld und Kämpfern".

Damit Syrien nicht so ende wie der Irak oder Libyen, sollte alles daran gesetzt werden, "die legitimen Machthaber in Syrien zu stützen", sagte Putin, der in dem Bürgerkrieg einer der wichtigsten Unterstützer Assads ist. Seit Ende September beteiligt sich die russische Luftwaffe auch an den militärischen Auseinandersetzungen, vor allem an der Seite der syrischen Armee. Kritiker halten Russland vor, auch moderate Gegner von Machthaber Assad anzugreifen. Putin bezeichnete dies nun als Lüge: "Die vermeintlichen Videobeweise für diese Behauptung sind entstanden, noch bevor die russischen Streitkräfte ihren Einsatz überhaupt begonnen hatten", sagte er in dem Interview. "Das können wir beweisen."