Der Streit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran eskaliert nach der Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und Regimekritikers Nimr al-Nimr: Saudi-Arabien erklärte am Sonntag, die Beziehungen zum Iran würden abgebrochen. Anlass sei die Erstürmung der saudiarabischen Botschaft in Teheran am Vortag. Dieser Angriff sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte Außenminister Adel al-Dschubeir am Sonntagabend. Er warf der Regierung in Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Saudi-Arabien wird seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen", kündigte Al-Dschubeir an.

Die diplomatische Vertretung des Iran und iranische Einrichtungen seien aufgefordert worden, Saudi-Arabien innerhalb von 48 Stunden zu verlassen, teilte Al-Dschubeir mit. Das Königreich werde es dem Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben.

Der Iran und Saudi-Arabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS)  hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung der Länder geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Nahen Osten.

Proteste sogar in Indien

Al-Nimr war am Samstag in Saudi-Arabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Im Oktober 2014 wurde Al-Nimr in Saudi-Arabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt.

Die Proteste gegen die Hinrichtung waren groß: In Al-Nimrs Heimatstadt Al-Katif im Osten Saudi-Arabiens gingen Hunderte Menschen auf die Straße. In Bahrain trieb die Polizei Demonstranten mit Tränengas auseinander. Auch im Libanon kam es vor der Botschaft Saudi-Arabiens in Beirut zu Protesten. Selbst in Nordindien kam es zu Protesten. Im schiitisch geprägten Iran fielen die Proteste gegen die Exekution des Geistlichen besonders heftig aus. Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei warnte die Regierung in Riad am Sonntag vor der "Rache Gottes".

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, der iranische Außenminister habe erklärt, wie die Spannungen entschärft werden sollten. Beide Seiten hätten zugestimmt, es sollte mit allen Mitteln versucht werden, die Situation zu kontrollieren und nicht eskalieren zu lassen. Das US-Außenministerium mahnte den Iran und Saudi-Arabien, die Situation nicht weiter zu verschärfen. Die USA verurteilten jeden Angriff auf diplomatische Einrichtungen.