Ein Demonstrant hält ein Bild des Geistlichen Nimr al-Nimr während der Proteste gegen dessen Verhaftung im Jahr 2012 in die Höhe. © Stringer/Reuters

Saudi-Arabien hat 47 Menschen wegen Terrordelikten exekutiert. Bis auf einen Ägypter und einen Tschader waren alle Saudi-Araber. Wie die offizielle saudische Nachrichtenagentur SPA meldete, wurden die Todesstrafen wegen Terrorismus und Anstiftung zur Gewalt vollstreckt. Der Großteil der Hingerichteten sei wegen Beteiligung an Anschlägen der Islamisten-Organisation Al-Kaida in den Jahren von 2003 bis 2006 zum Tode verurteilt worden, teilte das Innenministerium mit.

Unter anderem wurde der inhaftierte prominente schiitische, geistliche Scheich Nimr Baker al-Nimr exekutiert, wie das Innenministerium mitteilte. Al-Nimr hatte zu den Anführern der Schiiten-Proteste im Osten des Königreichs gehört, die im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 ausgebrochen waren.

Al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste des Arabischen Frühlings 2011 die Abspaltung der mehrheitlich schiitischen Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet. Vor einem Jahr wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

Harsche Kritik aus Iran

Die Hinrichtung Nimr al-Nimrs löste im Golfstaat Bahrain heftige Proteste aus. Dabei feuerte die Polizei in dem Ort Abu-Saiba westlich der Hauptstadt Manama Augenzeugen zufolge Tränengas auf Dutzende Demonstranten ab. Die aufgebrachte Menge hielt Bilder des getöteten Geistlichen Nimr al-Nimr in die Höhe. Schiiten-Vertreter hatten zu Protesten in dem von Sunniten regierten Königreich aufgerufen. In anderen Ländern in der Region sorgte die Hinrichtung ebenfalls für Wut und Empörung. Der schiitisch dominierte Iran warf Saudi-Arabien vor, Terroristen und sunnitische Extremisten zu unterstützen. Das iranischen Außenministerium erklärte, die Vollstreckung zeige "Unvorsichtigkeit und Unverantwortlichkeit".

Der Iran hatte die Regierung in Riad vor der Hinrichtung Al-Nimrs gewarnt. Sollte das Todesurteil gegen den Geistlichen vollstreckt werden, werde Saudi-Arabien einen "hohen Preis zahlen", sagte der iranische Vizeaußenminister Hossein Amir-Abdollahian. Die meisten der rund zwei Millionen saudi-arabischen Schiiten leben im Osten des Landes. Die schiitische Minderheit klagt seit Langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus.

Grüne und Linke verurteilen Hinrichtungen

Kritik kam auch aus Deutschland. Grüne und Linkspartei forderten einen Abbruch der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem saudischen Königshaus. Die Exekutionen seien "der letzte Weckruf", die Partnerschaft mit einem Staat zu beenden, "dessen Praktiken sich vom sogenannten Islamischen Staat kaum unterscheiden", sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Omid Nouripour in Berlin. Die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen nannte die deutschen Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien angesichts der dortigen Menschenrechtslage "eine moralische Bankrotterklärung der Bundesregierung". In dem Königreich stehe "die Unterdrückung Andersdenkender und der schiitischen Minderheit auf der Tagesordnung", sagte Dagdelen.

Vor allem die Exekution des schiitischen Geistlichen Nimr Bakr al-Nimr komme Dagdelen zufolge einer "Kriegserklärung an die schiitische Minderheit im Land" gleich. Diese "Massenhinrichtungen a la IS" gefährdeten den Frieden in der gesamten Region. Der Grünen-Außenexperte Nouripour sagte, die Hinrichtung prominenter Minderheitenvertreter durch Saudi-Arabien zeuge "von einer Panik, die die These der Bundesregierung von einem 'Stabilitätspartner' schlicht verspottet".

Das ultrakonservative Königreich Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viele Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. 153 Menschen wurden dort im vergangenen Jahr laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP hingerichtet. Im gesamten Jahr 2014 waren laut Amnesty 90 Menschen hingerichtet worden. Der Anstieg der Zahl von Hinrichtungen geht einher mit der Machtübernahme von König Salman. Er war Ende Januar nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah auf den Thron gestiegen. Amnesty kritisierte, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein.