Bei einer Schießerei in der saudi-arabischen Geburtsstadt Al-Nimrs wurde am Sonntagabend ein Mann getötet und ein Kind verletzt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtete, kamen Einsatzkräfte in der Stadt Al-Awamija im Osten des Landes unter Beschuss.

In sozialen Netzwerken wurde der getötete Zivilist als "Märtyrer" gefeiert. Wer die Schüsse abfeuerte, ist jedoch noch unklar. Einige Internetnutzer gaben an, der Mann sei von saudi-arabischen Einsatzkräften getötet worden. Das wurde von unabhängiger Seite nicht bestätigt. Der Nachrichtenagentur SPA zufolge wurden Ermittlungen eingeleitet, die staatlichen Einsatzkräfte fahndeten intensiv nach den Verantwortlichen der "terroristischen" Aktionen.

In einer Moschee in Al-Awamija hatte Al-Nimrs Famile eine dreitägige Trauerzeit begonnen. Der wegen Protesten gegen die saudische Regierung zum Tode verurteilte Al-Nimr war am Samstag zusammen mit 46 weiteren Häftlingen exekutiert worden. Dies löste weltweite Kritik und eine diplomatische Krise mit dem schiitisch geführten Iran aus.

Al-Nimrs Bruder Mohammed sagte der Nachrichtenagentur AP, dass der Hingerichtete nach Mitteilung der Behörden an einem nicht genannten Ort beerdigt worden sei. Das könnte weitere Proteste auslösen.

Al-Nimrs Hinrichtung rief bereits massive Proteste von Schiiten hervor: Im Osten Saudi-Arabiens gingen Menschen ebenso auf die Straße wie im Libanon, in Bahrain sowie in Nordindien und Pakistan. Im Iran griffen Demonstranten die saudi-arabische Botschaft in Teheran an und legten Feuer. Daraufhin stellte Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen ein.

Die jüngste Eskalation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran markiert einen lange nicht mehr erreichten Tiefpunkt zwischen beiden Ländern. Am Sonntag teilte das Königshaus mit, die diplomatischen Beziehungen zum Iran würden eingestellt. Das Außenministerium in Teheran warf der Regierung in Riad im Gegenzug vor, die Spannungen zwischen beiden Staaten bewusst anzuheizen.