Asylsuchende in Brüssel © Jonathan Raa/Getty Images

Belgien plant nach den Übergriffen auf Frauen in Köln die Einführung von Kursen in Asylbewerberheimen, in denen Männern ein respektvoller Umgang mit Frauen beigebracht werden soll. Der verantwortliche Staatssekretär für Asyl und Migration, Theo Francken, sagte belgischen Medienberichten zufolge, er wolle verhindern, dass sich ähnliche Ereignisse in Belgien abspielten.

Die Kurse sollen in den kommenden Wochen in allen Aufnahmeeinrichtungen beginnen, kündigte Francken an, der zu den flämischen Nationalisten gehört. Er habe zusammen mit Innenminister Jan Jambon eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um weitere Maßnahmen vorzubereiten. Die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen sei ein unantastbares Recht. Gleichzeitig mahnte Francken zur Vorsicht: Es sei nicht bewiesen, dass die Täter von Köln Asylbewerber gewesen seien.

Die belgische Opposition kritisierte die Pläne. Die für Frauenrechte zuständige Ministerin in der Französischen Gemeinschaft, Isabelle Simonis (Parti Socialiste), sprach von einer "skandalösen Stigmatisierung" von Flüchtlingen.

Tatsächlich gibt es den Berichten zufolge ähnliche Kurse bereits seit 2013 in Norwegen. Auch in Deutschland fordern Politiker von CDU und CSU mehr Integrationswillen von Asylbewerbern. So fordert die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner seit Monaten Integrationsregeln – ihren Angaben nach eine Art "Gebrauchsanweisung für Deutschland"– speziell auch für Männer: "Wenn Männer kommen mit einem mittelalterlichen Frauenbild, dass Frauen keine Respektspersonen sind", dann müssten sich Zuwanderer ändern, sagte Klöckner bereits im vergangenen September im Deutschlandfunk. Sie denkt daher über ein Gesetz zur Integrationspflicht nach. Der baden-württembergische Spitzenkandidat der CDU, Guido Wolf, brachte einen Integrationsführerschein für Flüchtlinge ins Gespräch.

Die Grünen lehnten Benimmregeln für Flüchtlinge noch vor wenigen Tagen ab. Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, sagte Spiegel Online: "Das Grundgesetz gilt für alle, egal ob jemand aus Damaskus oder aus Dresden kommt." Wer mit Blick auf Flüchtlinge jetzt plötzlich die Gleichstellung von Frauen und Homosexuellen betone, sollte das auch im Alltag selbst leben, sagte Göring-Eckardt. "So manchem Pegida-Hinterherläufer oder CSU-Populisten würde ein Benimmkurs jedenfalls auch nicht schaden", sagte sie.