In Spanien hat sich die linke Partei Podemos (Wir können) einen Monat nach den Parlamentswahlen bereit erklärt, mit den Sozialisten (PSOE) und anderen kleineren Parteien eine Regierung zu bilden. Podemos-Chef Pablo Iglesias erläuterte sein Vorhaben nach eigenen Angaben König Felipe VI. Das Staatsoberhaupt habe den Plan zur Ablösung der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy als "vernünftig" bezeichnet, sagte Iglesias nach einem Treffen in der Königsresidenz.

Er selbst wolle Vizepräsident werden und den Sozialisten den Chefsessel überlassen. Seinen potenziellen Partner habe er jedoch noch nicht in seine Pläne eingeweiht, räumte Iglesias nach dem Treffen mit dem König ein.

Sozialisten-Chef Sánchez mahnte in einer späteren Pressekonferenz zur Zurückhaltung. Er dankte Podemos für das Angebot, betonte aber, der Konservative Rajoy habe als Wahlsieger bei dem Versuch einer Regierungsbildung den Vortritt: Erst wenn Rajoy scheitere, werde er Gespräche über eine "Regierung des Wandels" beginnen.

Sánchez ist grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber einem Linksbündnis, auch weil es ihn zum Regierungschef machen würde. Der 43-Jährige könnte rein mathematisch mit mehreren Links- und nationalistischen Regionalparteien eine Regierungsmehrheit zimmern. Aber es gibt in seiner Partei inhaltliche Bedenken, auch weil Podemos der Region Katalonien ein Referendum über die Loslösung von Spanien verspricht. Daran wolle er festhalten, erklärte Iglesias in Madrid. Außerdem sollten die katalanischen Interessen in einer Linksregierung auch personell vertreten sein, beispielsweise durch ein Ministerium. Das sehen große Teile der PSOE sehr kritisch, sie warnen vor einer Spaltung Spaniens. 

Rajoys Volkspartei (PP) war aus der Parlamentswahl am 20. Dezember erneut als stärkste Kraft hervorgegangen, hatte aber die absolute Mehrheit verloren. Beim Versuch einer Regierungsbildung kam der 60-Jährige bisher nicht voran. Sowohl Sozialisten-Führer Sánchez als auch andere Parteichefs verweigerten ihm die Unterstützung.

Das letzte Wort hat der spanische König: Nach den Beratungen mit Sánchez und Rajoy will er einen der Politiker mit der Regierungsbildung beauftragen. Kann kein Kandidat innerhalb von zwei Monaten nach der ersten Abstimmung im Abgeordnetenhaus eine Mehrheit auf sich vereinen, muss es Neuwahlen geben.

Ungeachtet dessen stellte Podemos-Chef Iglesias am Freitag schon mal Forderungen für etwaige Koalitionsverhandlungen auf. Er will sie öffentlich führen und auch im Fernsehen übertragen lassen. Außerdem wolle er den öffentlichen Mediensender RTVE (Radiotelevisión Española) reformieren und demokratischer machen.