Bei einem Doppelanschlag im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus sind viele Menschen getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens 58 Toten. Unter den Opfern seien 25 Kämpfer einer regimetreuen Miliz sowie Zivilisten. Demnach explodierte zunächst eine Autobombe an einem Kontrollpunkt im vor allem von Schiiten bewohnten Stadtbezirk Sajeda Sainab in der Nähe einer Pilgerstätte der Religionsgruppe an der Außengrenze von Damaskus. In der sich danach sammelnden Menschenmenge habe sich anschließend ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

In einer zunächst nicht verifizierbaren Botschaft im Internet bekannte sich die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu der Tat. In der Erklärung hieß es, zwei "Soldaten des Kalifats" des IS hätten bei einem "Märtyrereinsatz in einem Nest der Ungläubigen" in Sajeda Sainab fast 50 Menschen getötet und 120 weitere verletzt. Darin wurden weitere Anschläge gegen Schiiten angekündigt. Auch für ähnliche Attentate in der Vergangenheit hatte der IS die Verantwortung übernommen.

Den Menschenrechtlern zufolge seien unter den Opfern 16 Kämpfer einer regimetreuen Miliz sowie Zivilisten. Dutzende weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden. Das staatliche Fernsehen berichtete von wenigstens 45 Todesopfern.

Die Sajeda-Sainab-Moschee beherbergt das Grab der Tochter des Mohammed-Cousins Ali ibn Abi Talebiner, den die Schiiten als rechtmäßigen Nachfolger des Propheten erachten. Sie ist eine wichtige Pilgerstätte schiitischer Muslime. Der Nachfolgestreit ist der Grund für die Spaltung des Islam in Schiiten und Sunniten. In den ersten Jahren des syrischen Bürgerkrieges war Sajeda Sainab Schauplatz heftiger Kämpfe. Im vergangenen Februar sprengten sich dort zwei Selbstmordattentäter in die Luft und rissen vier Menschen mit in den Tod. Im gleichen Monat starben bei einem Anschlag auf einen Pilgerbus auf dem Weg nach Sajeda Sainab neun Menschen. Zu der Tat bekannte sich die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Al-Nusra-Front.

Die Kämpfe ließen nach, seit die syrische Armee und Schiiten-Milizen unter Führung der libanesischen Hisbollah den Stadtteil sicherten. Nahe des Schreins haben sich zahlreiche irakische und iranische Schiiten-Milizen niedergelassen, die die sunnitischen Dschihadisten in Syrien bekämpfen.

In dem blutigen Bürgerkrieg in Syrien starben in den vergangenen fünf Jahren UN-Angaben zufolge mehr als 250.000 Menschen. Bei den in diesen Tagen in Genf stattfindenden Friedensverhandlungen für das Bürgerkriegsland soll die Basis für eine Beruhigung des Konflikts geschaffen werden.