Das wichtigste syrische Oppositionsbündnis hat den Auftakt der Syrien-Friedensgespräche in Wien boykottiert. Bevor die Delegation nach Genf reise, müssten die Vereinten Nationen sich zu einer Liste mit Vorbedingungen äußern, sagte ihre Vertreterin Bassma Kodmani. UN-Sprecher Ahmad Fawzi teilte mit, die Gespräche würden am heutigen Freitag wie geplant beginnen, er wisse allerdings nicht zu welcher Uhrzeit und mit wem.

Die Streitfrage, welche Oppositionsgruppen überhaupt am Tisch sitzen würden, war offensichtlich noch nicht geklärt. "Wir haben keine Liste der Teilnehmer, aber im Laufe des Tages wird es mehr Klarheit geben", sagte Fawzi. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura könnte  zunächst die syrische Regierungsdelegation treffen, die ihr Kommen angekündigt hatte.

Die Friedenskonferenz in Genf war bereits um mehrere Tage verschoben worden. Am Donnerstag hatte de Mistura dann eine weitere mögliche Verzögerung angedeutet. Gleichzeitig mahnte er alle Beteiligten, die Chance nicht zu verpassen.

Opposition fordert UN-Garantien

Ahmad Ramadan von der Syrischen Nationalkoalition sagte, die Opposition werde ihren Boykott erst beenden, wenn sie von den Vereinten Nationen Garantien erhalte, dass beschlossene Resolutionen des Sicherheitsrates auch umgesetzt würden. Darin wird die syrische Regierung aufgefordert, die Belagerung von Rebellengebieten zu beenden und Bombardements auf Zivilisten einzustellen.

"Es kann keine Verhandlungen geben, solange humanitäre Themen nicht diskutiert oder umgesetzt wurden", sagte Ramadan. Ein Schreiben von de Mistura an das größte Oppositionsbündnis, das Höhere Verhandlungskomitee, zu diesem Thema am Donnerstag sei nicht zufriedenstellend gewesen.

Kodmani, ein Mitglied des Verhandlungskomitees, sagte, das Oppositionsbündnis überlege noch, ob es besser sei, die Bedenken direkt in Genf der UN-Delegation zu übermitteln oder in Saudi-Arabien zu bleiben. Der Komitee-Vorsitzende Riad Hidschab hatte am Donnerstag auch die Möglichkeit ins Spiel gebracht, das seine Delegation zwar nach Genf reisen, aber nicht den Verhandlungssaal betreten werde, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Bei den Gesprächen sollen Vertreter der Regierung und der Opposition nach fünf Jahren Bürgerkrieg unter Vermittlung der UN über die Zukunft des Landes verhandeln. Es ist der dritte Versuch, den Konflikt politisch zu lösen. Zuletzt fand Anfang 2014 ein Gipfel statt. Seither hat jedoch die Extremistengruppe "Islamischer Staat" (IS) weite Teile des Landes unter ihre Gewalt gebracht. De Mistura hatte erklärt, mit dem IS und der radikalen Gruppe Al-Nusra werde es keinen Waffenstillstand geben.