Syrische Regierungstruppen haben die strategisch wichtige Gebirgsstadt Rabia von Rebellen erobert. Die Armee kontrolliert seit Sonntagmorgen die in der Provinz Latakia im Nordwesten des Landes gelegene Stadt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und das staatliche Fernsehen mitteilten. Die Regierungstruppen seien bei ihrem Vorstoß durch russische Luftangriffe unterstützt worden.

Bereits vor zehn Tagen hatten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad die von Rebellen gehaltene und nur wenige Kilometer entfernte Stadt Salma eingenommen. Latakia ist das Kernland der schiitischen Alawiten, zu denen auch Assad gehört; die Mehrheit der Syrer ist sunnitisch. Teile der bergigen Provinz waren in den vergangenen Jahren von Rebellengruppen erobert worden.

In den vergangenen Monaten drängten die Armee und verbündete Milizen die Rebellen zunehmend zurück. Unterstützt wurden sie dabei von russischen Kampfflugzeugen, die seit Ende September auf einer Militärbasis bei Latakia stationiert sind. Rabia war seit 2012 in der Hand von Rebellen, darunter syrische Turkmenen sowie Kämpfer der Dschihadistengruppe Al-Nusra-Front.

Bei Bombardierungen der russischen Luftwaffe im Osten Syriens wurden nach Angaben von Aktivisten am Wochenende mehr als 90 Zivilisten getötet. Nach 44 Toten bei einem Angriff nahe Deir al-Sur am Freitag seien am Samstag 47 Zivilisten in der Ortschaft Chascham getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation waren von unabhängiger Seite zunächst nicht zu überprüfen.

Steinmeier will islamistische Rebellen einbeziehen

Zur Rettung der Syrien-Friedensgespräche in Genf will Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch Vertreter islamistischer Rebellengruppen einladen. "Wo sollen denn nach mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg, extremer Gewalt und um sich greifender Verrohung die gemäßigten Kreise herkommen?", sagte Steinmeier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Natürlich gehören keine Terroristen und islamistischen Extremisten an den Tisch, die eine politische Lösung ja nur sabotieren wollen." Nötig sei aber "eine Allianz all derjenigen, die ihren Teil der syrischen Gesellschaft vertreten, die de facto Macht ausüben, die Grundsätze des Wiener Prozesses respektieren und dafür bereit sind, ihren Kampf untereinander im Zuge der Genfer Verhandlungen einzustellen".

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour kritisierte Steinmeiers Vorstoß als zu vage. Der Außenminister müsse schon sagen, wen er genau an den Tisch bitten wolle: "Wie schätzt Steinmeier beispielsweise die von Saudi-Arabien finanzierte Ahrar al-Scham ein?"

Die in den Syrien-Konflikt involvierten Staaten haben teils gegensätzliche Vorstellungen, welche Gruppen die Bürgerkriegsparteien vertreten sollen. Während Saudi-Arabien die radikalislamische Ahrar al-Scham beteiligen will, dringt Russland auf moderate Oppositionsgruppen, die von Assad akzeptiert werden. Die Türkei lehnt die Teilnahme kurdischer Milizen ab, die der Westen als wichtige Verbündete im Kampf gegen Dschihadisten sieht.

Wegen des Streits über die Delegationen verzögert sich wahrscheinlich der für Montag geplante Auftakt der Verhandlungen. Eigentlich sollten Vertreter von Staatschef Baschar al-Assad und seinen Gegnern über einen Fahrplan zum Frieden verhandeln. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, kündigte aber an, dass der Termin wohl nicht zu halten sei. Eine "technische Verzögerung" wäre kein Beinbruch, hieß es dazu aus dem Auswärtigen Amt, solange "das Momentum für eine Einigung nur nicht verloren geht".

Schäuble sieht Russland in der Schlüsselrolle

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Russland stärker mit einbinden. Das Land habe eine Schlüsselposition bei der Lösung des Konflikts und damit auch der Flüchtlingskrise, schreibt Schäuble in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Eine europäische Strategie für den Nahen und Mittleren Osten könne es nicht ohne die USA, aber auch nicht ohne Russland geben.

Schäuble schlägt vor, mit Russland eine Strategie zu entwickeln, "um Gegensätze zwischen einer saudisch geführten sunnitischen Koalition und einer iranisch geführten schiitischen Koalition abzubauen". Die Europäer sollten sich mehr in der Krisenregion engagieren und auch ihre Streitkräfte weiter ausbauen: "Wir sind stärker als andere Kontinente von dem betroffen, was sich in dieser Region abspielt."