In der belagerten syrischen Stadt Madaja verhungern weiterhin Menschen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete von mindestens 16 Toten seit Mitte Januar. Weitere Menschen seien dem Hungertod nahe und benötigten dringend Hilfe. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von 18 Verstorbenen.

Die Menschen starben, obwohl vor knapp drei Wochen ein Hilfskonvoi die Stadt erreicht hatte und Nothilfe für Tausende Hungernde liefern konnte. Die in der Provinz Damaskus gelegene Stadt wird seit einem halben Jahr von Regierungstruppen belagert. Etwa 42.000 Einwohner sollen dort festsitzen. 

Bis zum Eintreffen des Hilfskonvois waren laut Ärzte ohne Grenzen fast 30 Menschen gestorben. Die Vereinten Nationen hatten damals erklärt, 400 Menschen seien fast tot und müssten so schnell wie möglich aus der Stadt gebracht werden. Den Menschenrechtlern zufolge warten Patienten noch immer darauf, in andere Krankenhäuser verlegt zu werden.

Hilfsorganisationen fordern einen kontinuierlichen Zugang zu der nahe der Grenze zum Libanon gelegenen Stadt. Der wird ihnen aber von den Regierungstruppen und verbündeten Milizen verwehrt.

Auch in weiteren Städten im Bürgerkriegsland Syrien hungern die Menschen. UN-Schätzungen zufolge sind in 50 belagerten Orten in Syrien 400.000 Menschen eingeschlossen. Dazu gehört die ebenfalls von regierungstreuen Truppen belagerte Stadt Sabadani sowie die durch oppositionelle Kämpfer von Versorgungslieferungen abgeschnittenen Städte Fua und Kafraja. Trotz einer im vergangenen September geschlossenen Vereinbarung über die Lieferung von Hilfsgütern wurden Helfer bislang kaum durchgelassen.

Bundeswehr lehnt Luftbrücke ab

Für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist die Situation der Menschen in den belagerten Städten ein Knackpunkt bei den am Freitag in Genf aufgenommenen Syrien-Friedensgesprächen. Damit die Verhandlungen Erfolg haben könnten, sei es "dringend notwendig, dass es im humanitären Bereich echte Fortschritte gibt", sagte Steinmeier der Welt am Sonntag. Unter anderem müssten die eingeschlossenen Gebiete mit Nahrung und Medikamenten versorgt werden.

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Die UN hatte dazu aufgerufen, eine Versorgung der hungerleidenden Menschen in den eingeschlossenen syrischen Städten aus der Luft zu prüfen. Doch die Bundesregierung lehnt eine Beteiligung der Bundeswehr an einer solchen Luftbrücke ab. "Ein Einsatz der Bundeswehr zur humanitären Versorgung aus der Luft ist derzeit nicht geplant", teilte Michael Roth, Staatsminister im Außenministerium, mit.

Die Grünen kritisierten die Haltung der Bundesregierung. "In den vergangenen Jahren hat der UN-Sicherheitsrat mehrfach einstimmig Resolutionen verabschiedet, die die Versorgung der Zivilbevölkerung mit humanitärer Hilfe einfordern", sagte die Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner. "Da dies auf dem Landweg fast immer scheitert, muss auch der syrische Luftraum für die Lieferung von Hilfsgütern genutzt werden. Hier sollte Deutschland sich nicht verweigern."