Die syrische Opposition will zu den Friedensgesprächen unter UN-Vermittlung nach Genf reisen. Das in Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee beschloss nach eigenen Angaben, an einem "politischen Prozess" teilzunehmen, um die Ernsthaftigkeit "der anderen Seite" in Gesprächen mit Vertretern der Vereinten Nationen zu überprüfen. Es habe zuvor Unterstützungszusagen mehrerer Länder und der UN bekommen. Die Syrien-Friedensgespräche in Genf hatten zunächst ohne Beteiligung der Opposition begonnen. 

Die Delegierten des Hohen Verhandlungskomitees kämen "nicht, um zu verhandeln", sondern um mit Repräsentanten der Vereinten Nationen zu sprechen, sagte Komiteemitglied Farah Atassi. Oppositionssprecher Ahmed Ramadan sagte, Bedingung für Verhandlungen sei, dass die humanitären Forderungen der Opposition erfüllt werden. Das Verhandlungskomitee verlangt einen Stopp der Angriffe auf Zivilisten, ein Ende der Blockaden syrischer Städte sowie weitere Hilfslieferungen.

Wie viele Mitglieder zu den Gesprächen kommen würden, sagte Atassi nicht. Sie erklärte lediglich, dass diese am Samstag in einem Hotel in Genf eintreffen würden. Dieses ist nicht weit von den Büros der Vereinten Nationen entfernt, wo der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura den syrischen UN-Botschafter Baschar al-Dschafari traf. De Mistura sagte im Anschluss an das Treffen mit der Regierungsdelegation, er habe "guten Grund zu der Annahme", dass das Höhere Verhandlungskomitee zu den Verhandlungen dazustoßen werde.

Neue UN-Friedensbemühungen

Die UN versuchen zum ersten Mal seit einer gescheiterten Konferenz vor zwei Jahren wieder, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad und deren Gegner zu indirekten Verhandlungen zusammenzuführen, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. De Mistura appellierte noch am Donnerstag an die Opposition, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Zuvor hatte das Treffen bereits um mehrere Tage verschoben werden müssen, unter anderem, weil die Opposition darüber streitet, wer am Tisch sitzen darf.

Verschiedene Oppositionsvertreter, die nicht zum Komitee gehören, trafen bereits in Genf ein. Sie sollen aber nur eine beratende Rolle bei den Gesprächen einnehmen. Der frühere syrische Ministerpräsident Qadri Dschamil deutete jedoch an, dass seine Oppositionsgruppe sehr wohl mitverhandeln könnte. Nur so könne die gesamte syrische Opposition gehört werden, sagte er.

In Syrien herrscht seit fast fünf Jahren Bürgerkrieg, inzwischen wurden mehr als 250.000 Menschen getötet. Rund die Hälfte der Bevölkerung musste aus ihren Häusern fliehen, Millionen Syrer haben in Nachbarländern und in Europa Zuflucht gesucht. Zur Debatte steht nun ein UN-Plan für einen Waffenstillstand und einen politischen Neuanfang in Syrien.