Soldaten der Afghanischen Armee inspizieren ein zerstörtes Gebäude nahe dem pakistanischen Konsulat in Dschalalabad, Afghanistan. © Parwiz/Reuters

Mit dem Angriff auf das Impfzentrum in der Stadt Quetta in Süden Pakistans haben radikale Islamisten ihre Anschläge auf Polio-Impfstellen fortgesetzt. Die pakistanische Gruppierung der Tehrik-e Taliban bekannte sich auf ihrer Internetseite zu dem Selbstmordanschlag, bei dem 13 Polizisten und zwei Zivilisten getötet wurden. Weitere 25 Menschen seien durch Bombensplitter verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher, darunter viele weitere Sicherheitskräfte. Kinder seien nicht ums Leben gekommen, sagte ein Arzt im zivilen Krankenhaus der Stadt.

Fast zeitgleich griffen in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad Bewaffnete das pakistanische Konsulat an. Sieben Polizisten und drei Angreifer kamen ums Leben. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). In der Innenstadt Dschalalabads sprengte sich ein IS-Kämpfer mit einer Autobombe in die Luft. Anschließend kämpften Sicherheitskräfte fast vier Stunden gegen zwei weitere Extremisten, die sich in ein leerstehendes Haus geflüchtet hatten. Bei dem Gefecht starben neben den beiden IS-Mitgliedern nach Angaben des Innenministeriums sieben Polizisten.


Islamisten glauben, Impfungen seien Verschwörung

Impfkampagnen werden in Pakistan schwer bewacht. Islamisten glauben, die Impfungen seien eine Verschwörung zur Sterilisierung von Muslimen oder auch, dass Helfer westliche Spione seien. Bei Angriffen auf Impfteams wurden nach Polizeiangaben allein seit 2012 etwa hundert Polizisten, Krankenschwestern und Helfer getötet.

Die Leiterin der Anti-Polio-Initiative in Pakistan, Ayesha Farooq, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Polizisten in Quetta hätten sich gerade versammelt, um Teams zu begleiten, die später rund um die Stadt Kinder impfen sollten. Dann habe der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet.

Pakistan hatte erst zwei Tage zuvor eine Initiative zur Polio-Impfung von 2,4 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Auf der Liste der Hochrisikogebiete der nationalen Anti-Polio-Kampagne steht die vom Anschlag betroffene Provinz Belutschistan an erster Stelle.

Nachdem das Gesundheitsministerium nach dem Anschlag zunächst angekündigt hatte, die Initiative zu stoppen, sei in einem Krisentreffen beschlossen worden, doch weiterzumachen, sagte Farooq. "Wir schulden es den Anti-Polio-Aktivisten, die wir verloren haben, und den Kindern."

Pakistan und Afghanistan sind die einzigen Länder der Welt, in denen Kinder noch an der gefährlichen Kinderlähmung erkranken. 2015 war die Zahl der Neuerkrankungen stark gefallen: in Pakistan auf 51 Fälle im Vergleich zu 306 Fällen im Jahr 2014. Der Erfolg war vor allem auf Militäroffensiven gegen Extremisten zurückzuführen. Diese hatten lange unzugängliche Regionen für neue Impfkampagnen geöffnet. 

Das pakistanische Außenministerium ermahnte die afghanische Regierung in einer Stellungnahme, ihre Einrichtungen zu schützen. Pakistanische Einrichtungen sind in Afghanistan bisher nicht angegriffen worden.

Die Gruppe Tehrik-e Taliban war Ziel großer Militäroffensiven, nachdem einige Kämpfer im Dezember 2014 an einer vom Militär betriebenen Schule in Peschawar 136 Kinder massakrierten. Die Armee gibt an, seitdem mehr als 3.500 Taliban getötet zu haben.