Der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka hat sich für eine Art zweite Verteidigungslinie gegen den Flüchtlingsandrang ausgesprochen. Falls die Schengen-Außengrenzen nicht besser geschützt werden könnten, müsse auf der Linie Bulgarien-Mazedonien ein "Reserve-Grenzsystem" geschaffen werden, forderte der Sozialdemokrat der Agentur CTK zufolge. Dies sei erforderlich, falls es Griechenland und der Türkei nicht gelinge, die "Migration zu regulieren".

Ungeachtet dieses Vorschlages aus Tschechien konzentrieren sich viele EU-Staaten weiterhin auf eine bessere Sicherung der EU-Außengrenzen. Dazu gebe es "keine Alternative", sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Es seien zwar politische Fortschritte erzielt worden. Doch es gebe noch immer Defizite bei der Umsetzung – etwa bei der Einrichtung der geplanten Hotspots an den Außengrenzen der EU sowie bei der Rückführung bestimmter Migranten.

Sollte nicht schnell ein schlüssiges Konzept für die Flüchtlingskrise gefunden werden, drohe ein Auseinanderbrechen des Schengen-Systems, warnte Tusk. "Wir haben nur zwei Monate, um die Dinge in den Griff zu bekommen", sagte der Pole vor dem Europaparlament in Straßburg. Wenn dies bis zum nächsten EU-Gipfel im März nicht gelinge, "droht ein Ende des Schengen-Systems". Noch immer kämen täglich rund 2.000 Flüchtlinge in die EU.

Juncker fordert Pioniergeist

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rief die 28 EU-Staaten auf, nationale Egoismen zu überwinden und zum "Pioniergeist" der Anfangszeit des europäischen Aufbaus zurückzukehren. Nun gehe es darum, den Schengen-Raum und damit die Freizügigkeit innerhalb der EU zu bewahren.

Dazu müssten die EU-Staaten aber mitziehen und getroffene Beschlüsse umsetzen - etwa zu den Umsiedlungsmaßnahmen für Flüchtlinge und zur Einrichtung eines europäischen Grenz- und Küstenschutzes. "Sonst wird Schengen nicht überleben", warnte Juncker.

Auch die Finanzminister von Deutschland, Frankreich und Polen kamen bei einem Treffen in Berlin zu dem Ergebnis, dass zur Lösung der Flüchtlingskrise der Schutz der EU-Außengrenze verbessert werden müsse. Niemand wolle in eine Zeit zurückfallen, in der Europa durch Grenzen getrennt worden sei, sagte Wolfgang Schäuble nach dem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Michel Sapin, und Polen, Paweł Szałamacha.