Eine Woche bevor der mutmaßliche Attentäter Nabil Fadli an Istanbuls Blauer Moschee vorbeilief und sich inmitten einer Touristengruppe in die Luft sprengte, registrierte sich der Syrer bei der Immigrationsbehörde. Als einen Asylbewerber kann man ihn aber trotzdem nicht bezeichnen — denn die Türkei akzeptiert nur Europäer als Flüchtlinge.

Was bizarr klingen mag, ist nur eine von vielen Regeln, die Syrern das Leben in der Türkei erschweren. Flüchtlingsstatus bedeutet Schutz und Rechte, also Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und legaler Arbeit. Genau der Mangel daran treibt viele Flüchtlinge auf die Boote nach Europa, wo sie sich eher eine Zukunft vorstellen können als in einem Land, das sie nur als "Gäste" behandelt.

Aber nicht nur die Ausreise von Syrern ist in den Händen von Schleppern, auch die Einreise. Lange wurde die Türkei für ihre Großzügigkeit gegenüber Flüchtlingen gelobt, als Ankara die Grenzen offen hielt und mehrere Millionen Syrer aufnahm.

Diese "offene Tür" hat sich allerdings langsam geschlossen, die Grenzübergänge sind zu. Aber die lange und poröse Grenze bietet noch immer einen Fluchtweg. Wer genau sich in das Land schmuggeln lässt, kann die Türkei dabei kaum kontrollieren.

Der Weg in die Türkei

Nur zwei Grenzübergänge zwischen Syrien und der Türkei, Bab al-Hawa und Bab al-Salameh, waren noch für Flüchtlinge offen, aber im März vergangenen Jahres riegelte Ankara auch diese ab. Die Grenze bleibt offiziell geschlossen; nur schwer verletzte Syrer dürfen noch passieren. Alle anderen bezahlen Schlepper. Der Durchschnittspreis: 100 Dollar.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch versucht der türkische Grenzschutz immer mehr Schmuggelrouten abzuschneiden. Seit August wird eine acht Kilometer lange Mauer am westlichen Ende der 900 Kilometer langen Grenze gebaut. Aber je härter die Türkei gegen die Schlepper vorgeht, desto riskanter werden die Fluchtwege.