Die türkische Staatanwaltschaft will die beiden regierungskritischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül für den Rest ihres Lebens in Haft sehen. Dem Chefredakteur und dem Leiter des Hauptstadtbüros der Zeitung Cumhuriyet werden Agitation gegen die Regierung und Unterstützung von Terrorgruppen zur Last gelegt. Das berichtet die regierungsnahe Zeitung Sabah.

Die beiden Journalisten waren wegen eines Berichts, der eine Waffenlieferung der türkischen Regierung an Extremisten in Syrien öffentlich machte, verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wertet das als Geheimnisverrat. Zudem hätten Dündar und Gül die Ende 2013 bekannt gewordenen Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung unterstützt und damit bei einem Umsturzversuch geholfen, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die beiden Journalisten sitzen in Untersuchungshaft und warten auf ihren Prozess.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sieht die Korruptionsvorwürfe als Teil einer Verschwörung aus der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen gegen die gewählte Regierung. Diese stuft die Gülen-Bewegung als Terrorgruppe ein. Laut Sabah umfasst die 473-seitige Anklageschrift auch Artikel der beiden Journalisten.

Die westliche Welt und regierungskritische Türken werten die Verhaftung der beiden Journalisten als einen Versuch der Erdoğan-Regierung, die kritische Presse mundtod zu machen. In einem Artikel für die ZEITberichtet Chefredakteur Can Dündar, dass er von Antiterroreinheiten ins Gefängnis gebracht wurde. Dündar schreibt von einem Kampf zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, in dem sich die Presse in der Türkei befinde.