Eine Zuschauerin des Wahlkampfs im Bundesstaat Iowa winkt mit der US-Flagge. © Mark Kauzlarich/Reuters

Der Redaktionsvorstand der renommierten New York Times hat sich zwei Tage vor Beginn der US-Vorwahlen für die Demokratin Hillary Clinton und den Republikaner John Kasich als Spitzenkandidaten bei der US-Präsidentenwahl im November stark gemacht. In seiner Empfehlung hoben die führenden Redakteure der Zeitung am Samstag vor allem Clintons langjährige Erfahrung sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik hervor. Kasich, Gouverneur von Ohio, wurde insbesondere angerechnet, dass er sich von den derzeitigen schrillen republikanischen Spitzenreitern Donald Trump und Ted Cruz absetze.

Die Ex-Außenministerin gehöre zu den am stärksten qualifizierten Kandidaten in der modernen Geschichte, heißt es in einem Meinungsartikel. Sie sei "die richtige Wahl für die Demokraten, um eine Vision für Amerika zu bieten, die sich radikal von der unterscheidet, die führende republikanische Kandidaten bieten – eine Vision, in der Amerikaner der Mittelschicht eine wirkliche Chance auf Wohlstand haben, Immigranten ohne Papiere eine Chance auf Legalität erhalten, internationale Bündnisse gepflegt werden und das Land sicher gehalten wird".

Zu Kasich schreibt der Redaktionsvorstand, er sei die "einzige plausible Wahl für Republikaner, die genug vom Extremismus und der Unerfahrenheit haben, die sich in diesem Rennen präsentiert". Der Gouverneur des Bundesstaates Ohio sei kompromissfähig und glaube an die Fähigkeit der Regierung, das Leben der Menschen zu verbessern. Donald Trump habe keine Erfahrungen in internationalen Angelegenheiten und auch kein Interesse, in diesen Dingen etwas zu lernen. Der Bewerber Ted Cruz "würde alles sagen, um zu gewinnen", lautet die Einschätzung der Redaktion. Im Gegensatz zu Hillary Clinton fällt Kasich im republikanischen Feld bislang in die Kategorie "ferner liefen".

Deutsche für Hillary Clinton als US-Präsidentin

Die Mehrheit der Deutschen zieht eine Präsidentin Hillary Clinton einem Präsidenten Donald Trump vor. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für Bild am Sonntag sähen 74 Prozent Clinton lieber an der politischen Spitze der USA als Trump (acht Prozent). 18 Prozent enthielten sich. Nach anderen Kandidaten wurde nicht gefragt.

Im US-Bundesstaat Iowa findet am 1. Februar die erste Vorwahl im Präsidentschaftswahlkampf statt, bei der die Bewerber Delegiertenstimmen ihrer Partei sammeln. Gewählt wird am 8. November.

Die letzte große Wählerbefragung vor den Vorwahlen sieht Donald Trump und Hillary Clinton vorn. Die von der Zeitung The Des Moines Register und Bloombergveröffentlichte Umfrage sagt Trump bei den Republikanern 28 Prozent der Stimmen voraus, während seine beiden Hauptkonkurrenten Ted Cruz und Marco Rubio bei 23 und 15 Prozent lagen. Bei den Demokraten erreichte Clinton demnach 45 Prozent, ihr Rivale Bernie Sanders 42 Prozent. Für die Umfrage wurden zwischen Dienstag und Freitag 602 voraussichtliche Abstimmungsteilnehmer der Republikaner und ebenso viele Demokraten befragt. 

Der Milliardär Donald Trump und der selbst ernannte Sozialist Bernie Sanders galten noch vor wenigen Monaten als chancenlos gegen Clinton oder den früheren Gouverneur von Florida, Jeb Bush. Zuletzt konnten sie in der Wählergunst aber aufholen. Hillary Clinton macht dabei die E-Mail-Affäre aus ihrer Zeit als Außenministerin zu schaffen.

Donald Trump punktet bei Unzufriedenen

Trump kann einer Umfrage zufolge vor allem auf unzufriedene Amerikaner bauen. 87 Prozent seiner Anhänger beklagten in einer am Samstag veröffentlichten Ipsos-Umfrage für die Nachrichtenagentur Reuters, dass sich ihr Land auf dem falschen Weg befinde. Im landesweiten Durchschnitt sagten dies 73 Prozent aller potenziellen Wähler.

USA - Fan huldigt Trump mit riesigem Plakat Ein Anhänger des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump hat in seinem Vorgarten im US-Bundesstaat Iowa ein riesiges Plakat seines Idols montiert. In Iowa finden am 1. Februar die ersten Vorwahlen statt.

Den Meinungsforschern zufolge sind die unzufriedenen Bürger weißer, ärmer und weniger gebildet als die Gesamtbevölkerung. Sie unterstützen seltener Kandidaten, die bereits in der Politik aktiv gewesen sind. Parteiübergreifend gibt es in der Gruppe zudem ein tiefes Misstrauen gegen Hillary Clinton, die seit über zwei Jahrzehnten auf der politischen Bühne steht. Unterschiede gibt es allerdings bei der Einschätzung, wo die größten Probleme der USA liegen: Während die Anhänger von Clintons Rivalen Bernie Sanders die Einkommensungleichheit und das Gesundheitssystem der USA kritisieren, beklagt das Trump-Lager Einwanderer und ausländische Terroristen.