Barack Obama hält seine letzte Ansprache zur Lage der Nation. © Reuters

In seiner letzten großen Ansprache zur Lage der Nation hat US-Präsident Barack Obama vor Hysterie wegen Terrorismus sowie vor einer Spaltung des Landes gewarnt. Obama sagte, der islamistische Terrorismus sei eine Gefahr und müsse gestoppt werden. Doch "übertriebene Aussagen, dies sei der Dritte Weltkrieg, spielen ihnen nur in die Hände", sagte Obama. "Das ist die Geschichte, die uns der IS aufdrängen will." Zudem sprach er sich dagegen aus, die Zukunft als prinzipiell bedrohlich zu beschreiben und die Vergangenheit zu glorifizieren.

Die Rede zur Lage der Nation war eine der letzten Gelegenheiten für Obama, zu Millionen von Amerikanern zu sprechen, bevor im November sein Nachfolger gewählt wird. Es wurde erwartet, dass rund 30 Millionen Menschen zusehen werden.

Zugleich kündigte Obama an, sich weiter gegen den Terrorismus militanter Islamisten einzusetzen. Eine internationale Koalition mit den USA an der Spitze habe mit mehr als 10.000 Luftangriffen die IS-Miliz bekämpft. "Wer glaubt, dass die USA oder ich selbst sich nicht verpflichtet fühlen, Gerechtigkeit zu üben, der soll Osama bin Laden fragen", sagte Obama. Dennoch sprach er sich dagegen aus, überall zu intervenieren.  "Das ist die Lektion, die uns Vietnam gelehrt hat und der Irak – wir sollten sie inzwischen gelernt haben."

Der IS verübte zuletzt mehrere Anschläge. Der türkischen Regierung zufolge soll der "Islamische Staat" auch für den Selbstmordanschlag am Dienstag in Istanbul verantwortlich sein, bei dem auch mindestens acht Deutsche getötet wurden.

Innenpolitisch kritisierte der US-Präsident das giftige Klima zwischen den beiden politischen Lagern. "Der Groll und das Misstrauen zwischen den Parteien ist schlechter anstatt besser geworden", sagte Obama. Angst und Spaltung dürften sich in den Vereinigten Staaten nicht durchsetzen, sagte er.  Er bedauerte gleichzeitig, dass er es nicht geschafft habe, die weite Kluft zwischen Demokraten und Republikanern zu überbrücken. Voraussetzung für eine bessere Zukunft sei, dass "wir rationale, konstruktive Debatten haben können".

Seitenhieb gegen Trump

Bezogen auf einige republikanische Präsidentschaftsbewerber warnte er vor Stimmen, die US-Bürger zum Sündenbock machten, die nicht dasselbe Aussehen, denselben Glauben oder denselben Hintergrund wie die Mehrheit hätten. Er erinnerte daran, dass die Vereinigten Staaten Veränderungen stets angenommen und anschließend "stärker und besser als zuvor" dagestanden hätten. Die Passage dürfte eine Anspielung auf den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump gewesen sein. Trump wirbt mit dem Motto "Make America great again" und macht Stimmung gegen illegale Einwanderer und Muslime.

Obama ging in der Rede durch eine Reihe innen- und außenpolitischer Erfolge seiner Amtszeit. Dazu zählte er die wiedererstarkte US-Wirtschaft, entschiedene Schritte gegen den Klimawandel und die Wiederannäherung an Kuba und den Iran.

Auch wenn sich seine Amtszeit dem Ende nähert, werde er weiter Reformen vorantreiben, kündigte er an. Unter anderem nannte er die Schließung des umstrittenen Gefangenenlager auf Guantánamo. "Es ist teuer, es ist unnötig und es dient unseren Feinden nur als Rekrutierungsbroschüre."

USA - Obama hält seine letzte Rede zur Lage der Nation US-Präsident Barack Obama sprach unter anderem über den Kampf gegen den Terror, die Förderung der Krebsforschung und den Zwiespalt der Parteien. Seine ganze Rede in der Video-Zusammenfassung