Übertragung einer Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber auf Fox News in Iowa, im Bild: Ted Cruz © Joe Raedle/Getty Images

Tagelang hatte Donald Trump die Veranstalter der letzten republikanischen Fernsehdebatte vor den Vorwahlen in Iowa hingehalten. Mal ließ er mitteilen, er werde "wahrscheinlich" nicht an dem Schlagabtausch teilnehmen, der von dem Sender Fox News ausgestrahlt wird, mal "mit ziemlicher Sicherheit". Als Grund verwies er auf die erste Debatte des Senders im August. Damals fühlte sich der Milliardär von Megyn Kelly, einem der Stars des Senders, unfair behandelt, als sie ihn um Stellungnahme zu zahlreichen frauenfeindlichen Äußerungen bat. Seitdem ließ Trump wenige Gelegenheiten aus, Kelly öffentlich als "drittklassige Reporterin", "unehrlich" oder "parteiisch" zu diffamieren. Selbst vor der Andeutung, Kelly habe wohl ihre Periode gehabt, schreckte Trump nicht zurück.

Er werde nur auf der Bühne stehen, stellte Trump dann klar, wenn die Journalistin durch einen anderen Moderator ersetzt werde. Fox News reagierte – allerdings anders als von Trump gedacht. Selbstverständlich werde Megy Kelly die Debatte moderieren, teilte der Sender mit. So kam es auch und zu lachen gab es trotz oder gerade wegen des abwesenden Trump genug. Der polterte vorher noch in gewohnt rotziger Manier: "Lass sie doch ihre Debatte haben. Wollen wir mal sehen, wie viel Geld Fox News mit der Debatte ohne mich macht." Trump selbst organisierte für den Abend stattdessen eine Spendenveranstaltung zugunsten von Kriegsveteranen. Er sei eben ein anderer Kandidat, einer, der sich nicht von den Medien diktieren lasse, was er tut und was nicht, begründete der Republikaner seine Entscheidung. Angeblich soll er für seinen Auftritt auch fünf Millionen Dollar gefordert haben – für seine Wohltätigkeitsorganisationen.

Der offene Schlagabtausch hat viele überrascht. Es sei ein ungewöhnlicher Konflikt, der sich da abspiele, sagt Al Tompkins vom Journalismus-Institut Poynter in Florida: "Er hat mit seinen Attacken für jede Menge Verwirrung gesorgt." Die Fehde mit Trump passe nicht in das einfache Muster, dem der Sender in der Vergangenheit gefolgt sei.

Iowa - Trump gegen Fox Während seine republikanischen Mitbewerber in einer TV-Debatte beim US-Fernsehsender Fox auftraten, sprach Trump auf einer eigenen Veranstaltung. Er hatte die Teilnahme abgesagt, da ihm die Moderatorin nicht passte.

Als Fox News 1996 auf Sendung ging, feierten prominente Konservative das Programm als Erlösung im ewigen Kampf gegen eine vermeintlich liberale Medienlandschaft. George W. Bush lobte "den beeindruckenden Wechsel zum Journalismus" von Anchor Tony Snow – dem einstigen Redenschreiber von Bushs Vater und Expräsidenten George Bush. Die Begeisterung ging so weit, dass die konservative Heritage Foundation ihre Mitarbeiter später in einer Rundmail bitten musste, auf ihren Rechnern nicht so oft den Livestream von Fox News laufen zu lassen, weil der das System ausbremse.

"Sie sehen ja selbst ein wenig aus wie ein Drogendealer"

Fox sei zum zentralen Schaltknoten der konservativen Agenda geworden und forme die Spitze einer hocheffektiven "Echo Chamber", schreibt Seth Ackerman von der Media Watchgroup FAIR. Die Demokraten tragen ihre Debatten nicht ohne Grund bei der Konkurrenz aus. Fox erzähle die Geschichten aus republikanischer Perspektive, wiederhole sie ununterbrochen und verbreite sie weiter. "Fox News spielt dieses Spiel besser als irgendwer sonst", so Ackerman. In fast schon beruhigender Verlässlichkeit hauen die Moderatoren auf Obamacare ein, zerren immer neue vermeintliche Clinton-Skandale hervor oder porträtieren den Präsidenten als antiamerikanischen, säkularen Sozialisten.

Als Bill O'Reilly, mit fast drei Millionen Zuschauern der König der Fox-Moderatoren, vor wenigen Wochen den afroamerikanischen Professor Mark Lamont Hill in seine Sendung holte, um mit ihm über illegale Einwanderer zu sprechen, konnte sich der Anchorman einen bissigen Seitenhieb nicht verkneifen. "Sie sehen ja selbst ein wenig aus wie ein Drogendealer", so O'Reilly in der Liveübertragung gegenüber einem sichtlich konsternierten Gast.

Die harte Linie kommt an: Kein Network hat heute höhere Einschaltquoten im Land, zur Primetime sitzen regelmäßig mehr als 1,8 Millionen Amerikaner vor dem Fernseher.

Roger Ailes, Gründer und Präsident von Fox, ist selbst ein Veteran des republikanischen Politikzirkus und arbeitete schon für die Kampagnen von Nixon und Reagan. 1988 sicherte er dem älteren Bush nach einem zweistelligen Rückstand gegen Michael Dukakis mit einem aggressiven Medienfeldzug den Wahlsieg. Es gelang ihm, die weiße männliche Mittelschicht mit immer neuen Enthüllungen über den "Weichling" auf der anderen Seite aufzuschrecken – etwa dessen Mitgliedschaft in der linken Bürgerrechtsorganisation ACLU oder seiner vermeintlichen Laisser-faire-Einstellung gegenüber Staatskritikern, die auch mal eine amerikanische Flagge verbrennen. Ailes, sagten Kollegen über den konservativen Bulldozer, habe genau zwei Modi: Angriff und Zerstörung.

"Bush ist ein Idiot, Obama wunderbar und makellos"

Mit dem Rechtsruck hat Fox News die Fernsehlandschaft aufgeschreckt. Die anderen Sender seien nach dem Start noch einmal nach links gerückt, um sich ausreichend abzusetzen, sagt Hollihan. "Bush ist ein Idiot, Cheney böse, die Republikaner kaltherzige Rassisten, und Obama wunderbar und makellos", fasst Medienkenner Larry Atkins das Weltbild der Konkurrenz in der Huffington Post zusammen. Ein wirkliches Gegengewicht zum rechten Schlachtross konnten sie damit nicht formen. MSNBC, das mit prominenten Köpfen wie Bill Maher oder Rachel Maddow aus der äußersten linken Ecke zurückschießt, kommt zur besten Sendezeit auf 560.000 Zuschauer.

Die Liberalen im Land, sagt Hollihan, seien deutlich segmentierter und verteilten sich neben MSNBC auch auf den Radiosender NPR oder auf CNN. Im vergangenen Jahr musste Amerikas Linke einen weiteren Schlag verkraften: Jon Stewart, eine der wichtigsten Stimmen im liberalen amerikanischen Fernsehen, strich kurz vor Beginn der heißen Wahlkampfphase die Segel. Rachel Maddow, bissige Quotenkönigin von MSNBC, fasste zusammen, was die Linke dachte: Stewart habe Amerika mit seiner Daily Show "zu einem besseren Land" gemacht. Mit kleinen Einspielern hatte sich Stewart in seiner Sendung selbst immer wieder genüsslich den Kollegen bei Fox News gewidmet.

Allein würde zwar kein Sender die Wahl entscheiden, sagt Tom Hollihan: "Fox News ist kein Königsmacher." Dennoch habe der Sender einen enormen Einfluss auf die Partei und könne die Basis mobilisieren wie kein anderes Medium. Dass dessen Wunschkandidat möglicherweise nicht Donald Trump heißt, wurde in dieser Woche deutlich. Nach Trumps Ankündigung, auf die Debatte am Donnerstag zu verzichten, legte Fox News mit einer knappen Mitteilung nach: "Wir haben von einer geheimen Quelle erfahren, dass auch der Ajatollah und Putin vorhaben, Donald Trump unfair zu behandeln, wenn er Präsident wird."

US-Wahlkampf - Trump macht Politik für Unzufriedene, die weniger gebildet sind Kurz vor den Vorwahlen setzt Trump auf die persönliche Kurz vor den Vorwahlen setzt Trump auf die persönliche Ansprache seiner Wähler. Sein Wahlkampf ist auf Unzufriedene ausgerichtet, die überwiegend zur weißen Mehrheit gehören, älter und weniger gebildet als andere.