USA - Fan huldigt Trump mit riesigem Plakat Ein Anhänger des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump hat in seinem Vorgarten im US-Bundesstaat Iowa ein riesiges Plakat seines Idols montiert. In Iowa finden am 1. Februar die ersten Vorwahlen statt.

Donald Trump hat viel politisch Unkorrektes gesagt und getan. Für jeden anderen Präsidentschaftskandidaten wäre das wohl das Aus gewesen. Doch der Milliardär behauptet sich in Umfragen. Inzwischen kann der Republikaner sogar mit der Unterstützung einflussreicher Mitglieder der Partei rechnen.

"Ich könnte mich mitten auf die Fifth Avenue stellen und jemanden erschießen und würde keine Stimmen verlieren, okay?", brüstete sich Trump dieser Tage in Iowa. Am kommenden Montag tritt er dort zur ersten Vorwahl für die Präsidentschaftswahl im November an. Die frühen Staaten gelten als wegweisend, und Trump könnte schon hier kräftig an Schwung gewinnen.

Im ländlichen Iowa liegen bei den Republikanern drei Kandidaten gut im Rennen. Neben dem 69 Jahre alten Geschäftsmann Trump sind das der junge texanische Senator Ted Cruz und der ebenfalls junge Senator Marco Rubio aus Florida, beide Mitte 40. Viele Republikaner schätzen den extrovertierten Trump, der zuletzt mit seiner Forderung nach einer Abweisung muslimischer Einwanderer für Entsetzen sorgte, gering. Doch immer mehr finden sich damit ab, dass kein Weg an dem gebürtigen New Yorker vorbeizuführen scheint, und ziehen ihn trotz allem dem erzkonservativen Cruz vor.

Zum Jahreswechsel hatte sich Cruz als Kompromisskandidat der konservativen Basis abgezeichnet. Doch dann formierte sich in der politischen Mitte Widerstand gegen ihn. Senator Richard Burr aus North Carolina etwa kündigte kürzlich an, er würde eher den demokratischen Bewerber Bernie Sanders wählen als Cruz. In Iowa allerdings genießt Cruz die breite Unterstützung konservativer Kreise, ein nicht geringer Vorteil.

Marco Rubio versucht sich derweil als Alternative zu den beiden Favoriten Trump und Cruz zu positionieren. Er zeigt nach Angaben seines Wahlkampfteams Präsenz wie sonst kein anderer. In Bettendorf kamen in der vergangenen Woche mehrere Hundert Zuhörer, als Rubio in einen Country-Club einlud. Am Ende schüttelte er Hunderte Hände – und schindete so Zeit für sein Team, Unterstützer und Helfer anzuwerben. Der Des Moines Register berichtete sehr angetan über den Mann aus Florida.

Erlebt Clinton ihre zweite "Obama-Niederlage"?

Bei den Demokraten wird es am 1. Februar in Iowa wohl zu einem Zweikampf kommen. Neben der einstigen Außenministerin und ehemaligen First Lady Hillary Clinton werden dem 74-jährigen Bernie Sanders die größten Chancen eingeräumt. Der Mann aus Vermont, der sich selbst als "demokratischer Sozialist" beschreibt, mobilisiert vor allem junge und liberale Anhänger. Sein Aufstieg in den jüngsten Umfragen ruft Erinnerungen an den Wahlkampf 2008 wach, als Clinton bei der Vorabstimmung in Iowa überraschend einem Senator aus Illinois namens Barack Obama unterlag.

Monatelang sprach Clinton recht wohlwollend über Sanders, wohl aus Furcht, harsche Töne könnten ihr Schaden. Als Sanders in Umfragen gefährlich zulegte und teils sogar in Führung ging, hielt die einstige First Lady sich nicht länger zurück. Sie kritisierte ihn wegen dessen Vorstellung einer umfassenden Gesundheitsreform und einer Regulierung der Wall Street. Sanders Programm sei zu wenig beachtet worden, befand Clintons Wahlkampfteam, würden seine Ansichten nur bekannt, werde die Unterstützung für ihn zurückgehen.

Sanders sieht seine Chance und vergleicht Clintons Offensive mit der Situation 2008. Damals habe sie Obamas Vorschläge und Erfahrung infrage gestellt. "Die Menschen in Iowa haben diese Angriffe durchschaut, und sie werden diese Angriffe auch wieder durchschauen", erklärte er.

Bloomberg, lachender Dritter?

Nach Iowa folgt die nächste Vorwahl eine Woche später in New Hampshire. Am 1. März steht der "Super-Dienstag" an, an dem gleich in 14 Staaten gewählt wird. Bis zum Sommer buhlen die Bewerber quer durch die USA noch um Stimmen, um als Kandidaten ihrer Partei bei der Präsidentenwahl im November antreten zu dürfen.

Falls sich allerdings der Linke Sanders und der rechtspopulistische Trump als Kandidaten herauskristallisieren werden, könnte der Wahlkampf noch um eine Alternative reicher werden: Dann könnte sich Michael Bloomberg zu einer Kandidatur entschließen. Der Unabhängige, der lange bei den Demokraten war, dann als Republikaner Bürgermeister von New York wurde und inzwischen parteilos ist, rechnet sich Chancen aus, wenn die gemäßigten Clinton und Rubio ausschieden.