Ein früherer Soldat und sein bester Freund bei Schießübungen in dessen Privatgarten in Jolly, Texas © Michel du Cille/Getty Images

In keinem anderen Land sind die Bürger so waffenvernarrt wie in den USA. Im Oktober gaben 43 Prozent der Amerikaner in einer Umfrage an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Seit Jahren streiten die Waffenlobby und ihre Gegner über schärfere Gesetze zur Kontrolle des Waffenbesitzes, denn jährlich kommen mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen ums Leben. Im Schnitt findet in den USA jeden Tag mindestens eine Massenschießerei statt.

US-Präsident Barack Obama machte schärfere Waffengesetze zu einem der Hauptanliegen seiner Amtszeit. Bisher scheiterte er aber am Widerstand der Republikaner im Kongress und an der Waffenlobby. Obama hat deshalb mit seiner Justizministerin Loretta Lynch Vorschläge ausgearbeitet, die er auch ohne Zustimmung des Kongresses durchsetzen kann. "Wir können diese Massaker in unseren Gemeinden nicht dulden", schrieb Obama am Montag auf Twitter. Er wird die Vorschläge am Dienstagnachmittag (europäischer Zeit) öffentlich präsentieren. Vorab einige Fakten zum Waffenland USA:

Bis zu 310 Millionen Waffen in Privatbesitz

In den USA sind Waffen ohne große Schwierigkeiten zu kaufen. In einigen Staaten gibt es Schusswaffen im Supermarkt. Von 100 Einwohnern besitzen in den USA statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal Injury Prevention vorgestellte Studie. Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus. 

Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2014 rund 3,6 Millionen Pistolen, rund 744.000 Revolver und mehr als 3,3 Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es rund 140.000 lizenzierte Waffenhändler.

Mehr als 30.000 Tote durch Schießereien

Jedes Jahr werden in den USA mehr als 30.000 Menschen vorsätzlich oder aus Versehen bei Schießereien getötet. Darunter sind mehr als 11.000 Fälle von Totschlag und Mord, etwa zwei Drittel sind Suizide. Nach Angaben der Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign wurden in den Jahren 2009 bis 2013 täglich im Schnitt 297 Menschen in den USA durch Schusswaffen verletzt oder getötet. Im Jahr 2015 schossen nach einem Bericht der Washington Post mindestens 265 Kinder und Jugendliche aus Versehen auf sich selbst oder andere, die meisten dieser jungen Schützen waren Kleinkinder.  

Anfang Dezember, nach 336 Tagen des Jahren 2015, zählte die Washington Post 355 Massenschießereien in den USA. Als Massenschießerei gilt nach dieser Auflistung eine Schießerei mit mindestens vier Opfern (inklusive der Täter). Die Zeitung hat einen Kalender veröffentlicht, in dem für jeden Tag die Anzahl an Schießereien erfasst wird. 

Obama plant zehn Maßnahmen

Obamas Plan umfasst nach Informationen des Weißen Hauses zehn Maßnahmen. Er will unter anderem eine verbindliche stärkere Überprüfung von Waffenkäufern; für Verkäufer, vor allem im Internet, soll eine Lizenzpflicht gelten. Außerdem sollen die Waffen technisch sicherer gemacht und die Kontrollen verbessert werden. Obama plant zudem, Käufe über Strohmänner zu unterbinden. Das FBI soll 230 neue Stellen für Kontrolleure schaffen.

"Das wird nicht alle Massenschießereien verhindern, es wird nicht jede Waffe von Kriminellen fernhalten", sagte Obama. Allerdings könnten durch sein geplantes Handeln Leben in diesem Land gerettet werden. Die Reichweite des Maßnahmenkatalogs ist jedoch begrenzt. Obama muss sich im Rahmen bereits bestehender Gesetze bewegen. 

Waffengesetze in den USA

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden. Es gelten nationale, einzelstaatliche und kommunale Vorschriften. In Texas ist beispielsweise seit dem 1. Januar 2016 sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen", wurde 1791 im zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. 2008 sprach der Oberste Gerichtshof den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet.

Mehrheit der US-Bürger würde strengeren Gesetzen zustimmen

Die Mehrheit der Amerikaner befürwortet die Pläne für strengere Waffengesetze. Zu diesem Ergebnis kam eine Erhebung des Gallup-Instituts im Oktober. 55 Prozent stimmten strengeren Vorschriften zu. Die Zustimmung zu strengeren Hintergrundkontrollen der Käufer und einer zentralen Datenerfassung für alle US-Staaten lag sogar bei 86 Prozent. Dieser Wert übersteigt die Werte der vergangenen Jahre. Allerdings liege das auch daran, dass die Befragung kurz nach der Schießerei an einer Schule in Oregon stattgefunden habe, schreibt das Gallup-Institut in seiner Analyse.

Einen direkten Einfluss auf die Anzahl an Schießereien würden strengere Waffengesetze aber nicht haben, meint die Mehrheit der Befragten. 53 Prozent sind nicht der Ansicht, dass strengere Kontrollen die Anzahl der Massenschießereien in den USA signifikant verringern können.

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