In Portugal hat die Präsidentenwahl begonnen. Der liberal-konservative Kandidat Marcelo Rebelo de Sousa ist nach allen Umfragen der klare Favorit; er könnte sogar schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen. Der 67-jährige Jura-Professor hat nur zwei ernsthafte Gegner, die ihn in eine Stichwahl zwingen könnten: Der langjährige Rektor der Universität Lissabon, António Sampaio da Nóvoa, und die Sozialistin Maria de Belém.

Nach zwei Mandatsperioden muss der konservative Amtsinhaber Aníbal Cavaco Silva am 9. März abtreten. Der Präsident hat in Portugal überwiegend repräsentative Funktionen, im Krisenfall allerdings relativ große Macht: Er kann sein Veto gegen Gesetze einlegen, das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Für Portugal ist es die neunte Präsidentenwahl seit der Nelkenrevolution von 1974.

Seit zwei Monaten amtiert in Lissabon eine sozialistische Minderheitsregierung, die auf Unterstützung der Grünen und Kommunisten angewiesen ist. Ein Linksbündnis hatte zuvor die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho gestürzt. Beobachter gehen nicht davon aus, dass sich die jetzige Regierung vier Jahre halten kann. Damit kommt dem künftigen Staatsoberhaupt besondere Bedeutung zu.

Rebelo de Sousa versprach im Wahlkampf, alles zu tun, um die Stabilität der Regierung zu sichern, sollte er gewählt werden. Er wolle nach Kompromissen streben, statt die Lager zu spalten.

Zehn Kandidaten treten an

Der auch als TV-Journalist bekannte Rechtswissenschaftler erreichte bei jüngsten Wahlumfragen 55 Prozent der Stimmen, sein größter Rivale Sampaio da Nóvoa maximal 20 Prozent. Falls keiner der zehn Kandidaten die absolute Mehrheit bekommen sollte, gäbe es am 14. Februar eine Stichwahl. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr deutscher Zeit, mit Hochrechnungen ist eine Stunde später zu rechnen.

Wirtschaftlich steht Portugal vor großen Aufgaben. 2014 hatte das Land den EU-Rettungsschirm verlassen. Die Zahl der Arbeitslosen geht nur langsam zurück. In der Bevölkerung mehren sich Forderungen, den scharfen Sparkurs abzumildern, zu dem sich Portugal im Gegenzug für die Finanzhilfen verpflichtet hat.