Griechenland hat aus Protest gegen Österreichs Vorgehen in der Flüchtlingskrise seine Botschafterin aus Wien abberufen. Man wolle darüber beraten, "wie verhindert werden kann, dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten und Völkern gestört werden", teilte das griechische Außenministerium mit. Die "großen Probleme" der Europäischen Union könnten nicht mit Mitteln bewältigt werden, die aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Griechenland hatte bereits am Dienstag mit einer diplomatischen Note gegen die von Österreich organisierte Westbalkankonferenz protestiert. Die Konferenz, zu der kein griechischer Vertreter eingeladen war, sei "einseitig und absolut kein freundschaftlicher Akt".

Bei dem Treffen hatten sich die zehn Teilnehmerländer darauf geeinigt, Polizisten in Grenzgebiete zu entsenden, in denen besonders viele Flüchtlinge ankommen. Außerdem sollen die Kriterien für die Zurückweisung von Flüchtlingen und ihre Registrierung vereinheitlicht werden. Ein Durchwinken der Flüchtlinge auf dem schnellstmöglichen Weg nach Mitteleuropa müsse ein Ende haben, hatte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) gesagt.

Griechenland sieht sich dadurch übergangen und fürchtet, dass durch eine verstärkte Grenzsicherung auf dem Balkan immer mehr Flüchtlinge im Land bleiben. Der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas sagte, es könnten mehrere Zehntausend werden. Derzeit hielten sich rund 12.000 Menschen in Griechenland auf, die ihren Weg Richtung Westeuropa nicht fortsetzen könnten.

Tsipras hatte am Mittwochabend damit gedroht, EU-Entscheidungen zu blockieren, solange es in der Flüchtlingskrise keine gerechte Lastenverteilung gebe. Man werde nicht akzeptieren, dass es Staaten gebe, die einerseits keinen einzigen Migranten aufnehmen, aber andererseits Zäune bauten. Zuvor hatte er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert und seinen Ärger zum Ausdruck gebracht.