Bundeskanzlerin Angela Merkel und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben nach den sechsten gemeinsamen Regierungskonsultationen die freundschaftlichen Beziehungen beider Länder hervorgehoben. "Wenn wir in Deutschland sind, dann wissen wir, wir sind unter guten Freunden", sagte Netanjahu. Die Kanzlerin sagte, dass es bei den Gesprächen nicht nur um Außenpolitik und die Bedrohungen durch Terrorismus gegangen sei, sondern auch um den Ausbau der bilateralen Beziehungen zum Beispiel in Forschung und Wissenschaft oder der Abwehr von Cyberattacken.

Dabei betonte Merkel, dass Israel zur Sicherheit Deutschlands beitrage und angesichts der Herausforderungen durch Flüchtlinge und Terrorismus die geografische Distanz zwischen beiden Ländern schwinde. Netanjahu sagte, dass von den Kriegen in Syrien und dem Irak 50 Millionen Menschen betroffen sind. Israel teile und verteidige die Werte Europas in der Region. "Wir sind bestimmt nicht die Wurzel allen Übels im Nahen Osten. Wenn Israel nicht bestünde, dann wäre der ganze westliche Teil des Nahen Ostens vom extremen Islamismus schon überrollt worden. Und wenn wir dort nicht stünden, dann wären noch weitere Millionen schon nach Europa gekommen." Israel sei als "Festung" anzuerkennen, als "Festung der westlichen Zivilisation" im Nahen Osten.

Merkel versprach, dass Deutschland die Beziehungen zum Iran erst normalisieren werde, wenn die dortige Regierung das Existenzrecht Israels anerkennt. "Das wird auch in allen Gesprächen, die unsere Minister führen und ich auch gegebenenfalls führen würde, immer wieder sehr deutlich gemacht." Nicht festlegen wollte sich die Kanzlerin zum deutschen Standpunkt bei der Kennzeichnungspflicht von Produkten aus jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten.

Für die Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung zur Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern sieht Merkel derzeit kaum eine Perspektive: "Wir glauben daran, dass wir vorankommen müssen in einem Prozess des friedlichen Zusammenlebens", der sich "auf einer Zwei-Staaten-Lösung aufbaut." Angesichts der derzeitigen Lage räumte sie ein, dass "sicherlich jetzt nicht der Zeitpunkt" sei, "einen ganz umfassenden Fortschritt zu machen". Gleichwohl ließen sich "an einigen Stellen Verbesserungen erzielen". Netanjahu erteilte Verhandlungen mit den Palästinensern unter Vorbedingungen eine klare Absage.

Netanjahu wies Kritik an einem geplanten Gesetz in Israel zurück, dass unter anderem NGOs die Arbeit erschweren könnte. Israel achte die Pressefreiheit wie kein anderes Land in der Region. Der zwischenzeitlich festgenommene Leiter des Jerusalemer Büros der Washington Post sei inzwischen wieder frei.