Geschoss des US-Raketenabwehrsystems THAAD ©REUTERS/U.S. Department of Defense, Missile Defense Agency

Das US-Militär will ein Raketenabwehrsystem in Südkorea stationieren. Damit reagieren die USA auf einen Raketentest in Nordkorea vom Sonntag. Ein Sprecher des Pentagon sagte, eine Einheit des mobilen THAAD-Systems solle "so schnell wie möglich" nach Südkorea verlegt werden. Derzeit liefen dazu Beratungen mit den südkoreanischen Verbündeten.

Südkorea hatte unmittelbar nach dem nordkoreanischen Test angekündigt, dass es die USA um die Raketenabwehr bitten werde. Aus Verteidigungskreisen in Washington hieß es, dass das THAAD-System binnen zwei Wochen verlegt werden könne. Das System feuert Abfangraketen ab, die feindliche Geschosse in der Luft zerstören.

Ein Abwehrsystem gegen nordkoreanische Raketen ist schon länger im Gespräch. Bislang hat Südkorea aber eine größere Debatte darüber vermieden, um seinen wichtigsten Handelspartner China nicht zu verärgern. Die Regierung in Peking lehnt ein solches Raketenabwehrsystem auf der koreanischen Halbinsel strikt ab.

China sieht sein Hoheitsgebiet gefährdet

China reagierte nun prompt. Die Regierung sei besorgt darüber, dass ein System aufgebaut werden könnte, dessen Radar in chinesisches Hoheitsgebiet eindringe. Wenn ein Land sich um seine eigene Sicherheit kümmere, sollte es nicht die Sicherheitsinteressen anderer Länder beeinträchtigen, teilte das chinesische Außenministerium mit. Der Pentagonsprecher versicherte, dass sich die Raketenabwehr "einzig gegen Nordkorea" richten werde.

In der englischsprachigen chinesischen Zeitung Global Times hieß es, wenn THAAD erst einmal installiert worden sei, würden auch chinesische Raketen zum Ziel werden. Das würde die Sicherheitsinteressen Chinas verletzen.

Nordkorea hatte am Sonntag eine Langstreckenrakete gestartet. Laut der Führung in Pjöngjang sollte die Rakete einen Satelliten für eine wissenschaftliche Mission ins All befördern. Die internationale Gemeinschaft wertet das Vorgehen dagegen als Test einer ballistischen Rakete und damit als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Anfang Januar hatte Nordkorea bereits mit einem Atomwaffentest weltweit für Empörung gesorgt.

Unterdessen kam es zu einem weiteren Zwischenfall im Grenzgebiet von Nord- und Südkorea. Ein Schiff der südkoreanischen Marine vertrieb mit Warnschüssen ein nordkoreanisches Patrouillenboot. Dieses hatte eine Grenzlinie nahe der Socheongdo-Insel verletzt, die nach dem Koreakrieg 1953 festgelegt, von Nordkorea aber nie akzeptiert wurde.