Die Nato will als Reaktion auf die Politik von Russlands Präsidenten Wladimir Putin zusätzliche Truppen ins östliche Bündnisgebiet schicken. Die Verteidigungsminister der Allianz beschlossen in Brüssel, entsprechende Planungen voranzutreiben. Sie sollen bis zum nächsten Nato-Gipfel im Sommer in Warschau abgeschlossen sein.

Die zusätzliche Nato-Präsenz soll nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg über eine multinationale Truppe organisiert werden. Über deren Stärke und Zusammensetzung müsse noch entschieden werden. Der multinationale Ansatz solle deutlich machen, dass ein Angriff gegen einen Alliierten als Angriff gegen alle Alliierten gewertet werde.

Nach Angaben aus Bündniskreisen ist im Gespräch, pro Land bis zu 1.000 Bündnissoldaten zu stationieren. Als Standorte sind neben den baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen auch Polen, Bulgarien und Rumänien vorgesehen. In diesen Ländern baut die Nato bereits seit dem vergangenen Jahr regionale Hauptquartiere. Sie sind allerdings lediglich mit wenigen Dutzend Soldaten besetzt. Für den Fall eines russischen Angriffs sollen außerdem Militärmaterial in der Region gelagert und die Infrastruktur ausgebaut werden, damit eine rasche Verstärkung durch größere Kontingente von Nato-Truppen möglich wird.

Zuvor hatten Nato und EU eine engere Zusammenarbeit bei der Abwehr von Cyberangriffen beschlossen. So soll es einen intensiveren Austausch technischer Informationen zwischen den Abwehrzentren beider Seiten geben. Für Stoltenberg ist dies auch ein Schritt, gegen "hybride Bedrohungen" vorzugehen, wie sie Russland im Ukraine-Konflikt vorgeworfen werden. Von den 28 EU-Staaten sind 22 auch Mitglieder des Militärbündnisses.