Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders und Hillary Clinton bei der TV-Debatte der Demokraten im US-Staat New Hampshire © Mike Segar/Reuters

Nach ihrem hauchdünnen Sieg bei der ersten Vorwahl für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten in Iowa hat die frühere Außenministerin Hillary Clinton ihrem linksgerichteten Rivalen Bernie Sanders eine unrealistische Politik vorgeworfen. Bei Sanders' Forderungen "geht die Rechnung einfach nicht auf", sagte Clinton in der Fernsehdebatte der Demokraten im US-Staat New Hampshire. Wie der Senator sei auch sie eine "fortschrittliche" Politikerin, aber sie könne Dinge erledigen.

Sanders wies die Kritik zurück. Seinen Vorschlag, die Studiengebühren an staatlichen Universitäten abzuschaffen, wolle er beispielsweise mit einer Steuer auf Finanzspekulationen bezahlen. "Die Mittelschicht hat die Wall Street gerettet, als sie Hilfe benötigte. Nun ist es an der Zeit, dass die Wall Street der Mittelschicht hilft", sagte er.

Der vom Fernsehsender MSNBC übertragene Schlagabtausch fand an der Universität von New Hampshire statt. Der Bundesstaat im Nordosten der USA hält am Dienstag die nächste Vorwahl ab. Im Zentrum der Debatte stand die Auseinandersetzung darüber, welcher der beiden Bewerber stärker im Einklang mit den Werten der Demokratischen Partei stehe.

Clinton beschwerte sich, dass Sanders' Wahlkampfteam eine "Schmierenkampagne" gegen ihre Bilanz als Politikerin führe. Der Senator versuche, sie wegen ihrer Verbindungen zur Wall Street fälschlicherweise als nicht linksliberal genug darzustellen. "Ich glaube nicht, dass diese Attacken Ihrer würdig sind", ging die ehemalige First Lady ihren Rivalen an.

Auch in der Gesundheitspolitik gerieten die beiden Präsidentschaftsbewerber aneinander. Jede Industrienation auf der Welt garantiere ihren Bürgern das Recht auf eine Krankenversicherung, sagte Sanders. "Ich akzeptiere die Vorstellung nicht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika das nicht können."

Clintons Warnung, dass er die Kontroverse um Barack Obamas Gesundheitsreform neu entfache, wies der selbsterklärte demokratische Sozialist zurück: Er wolle die Reform nicht demontieren, aber langfristig jedem Bürger eine Krankenversicherung verschaffen. Die frühere First Lady sagte dagegen: "Senator Sanders will wieder ganz von vorne anfangen."

Clinton und der Irakkrieg

Clinton hob in der Debatte ihre Erfahrung als frühere Außenministerin hervor. Angesichts der Bedrohungen in der Welt müsse der Präsident "vom ersten Tag an bereit sein", sagte sie. Sanders wies dagegen darauf hin, dass Clinton einst für den umstrittenen Militäreinsatz im Irak votiert habe. "Einer von uns hat richtig abgestimmt und der andere von uns nicht", sagte er mit Blick auf seine Ablehnung des Einsatzes.

In mindestens einem Punkt aber waren sich die beiden einig: Der Einsatz von US-Bodentruppen in Syrien komme für sie nicht infrage, sagten sowohl Sanders als auch Clinton. Die Rolle Washingtons solle vielmehr in der Bereitstellung von logistischer Hilfe, Waffen und Spezialeinheiten bestehen. Sanders ergänzte, sein Ziel sei es, die USA davor zu bewahren, in "den endlos dauernden Krieg im Morast Syriens und des Iraks hineingesogen" zu werden. Muslimische Bodentruppen müssten die IS-Terrormiliz zerschlagen, sagte er.

Vorsprung Clinton

Clinton liegt in landesweiten Umfragen deutlich vor Sanders. Der 74-jährige Senator aus Vermont, der mit seinen Ideen vor allem junge Wähler begeistert, konnte seiner Kontrahentin in Iowa aber praktisch ein Unentschieden abtrotzen. Clinton kam in dem Bundesstaat im Mittleren Westen auf 49,8 Prozent, Sanders auf 49,6 Prozent.

In New Hampshire sehen Meinungsforscher den Senator vorne. Einer Umfrage für die Zeitung Wall Street Journal und den Fernsehsender NBC zufolge liegt Sanders in dem Bundesstaat bei 58 Prozent, Clinton bei 38 Prozent.

Die USA wählen am 8. November ein neues Staatsoberhaupt. Präsident Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Die Vorwahlen in allen 50 US-Staaten ziehen sich bis in den Frühsommer hin, ihre Kandidaten küren Republikaner und Demokraten dann offiziell bei den Nominierungsparteitagen im Juli.

Bei den Republikanern gewann der erzkonservative Senator Ted Cruz den Vorwahlauftakt in Iowa, in New Hampshire sehen Meinungsforscher den rechtspopulistischen Milliardär Donald Trump in Führung.

Kurz erklärt - So funktionieren die US-Wahlen Iowa hat am 1. Februar als erster US-Bundesstaat über die Präsidentschaftsbewerber von Demokraten und Republikanern abgestimmt. Doch der Weg vom Vorwahlauftakt im Mittleren Westen bis zum entscheidenden Duell um das Weiße Haus ist noch lang.