Der frühere UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali ist tot. Der ägyptische Diplomat sei im Alter von 93 Jahren gestorben, teilte der derzeitige Vorsitzende des UN-Sicherheitsrats, der Venezolaner Rafael Ramírez, zu Beginn eines Treffens des UN-Sicherheitsrates in New York mit. Die 15 Mitglieder legten zu seinen Ehren eine Schweigeminute im Stehen ein.

Butros-Ghali war der erste Vertreter Afrikas an der Spitze der Vereinten Nationen. Von Januar 1992 bis Dezember 1996 war er Generalsekretär.

Sein Amtsantritt fiel in eine Zeit gewaltiger geopolitischer Verschiebungen, die auch die Nachfrage nach friedensschaffenden und friedenssichernden Einsätzen der Vereinten Nationen dramatisch ansteigen ließen. So fielen etwa die Einsätze in Somalia, Ruanda/Uganda und im früheren Jugoslawien in seine Amtszeit. Vor allem wegen der Misserfolge der Blauhelmtruppen bei den dortigen Missionen geriet Butros-Ghali während seiner Amtszeit in die Kritik. Die USA verhinderten besonders mit Hinweis auf diese Punkte 1996 eine Wiederwahl für eine zweite Amtszeit.

Enge Verbindungen zu Frankreich

Butros-Ghali war Kopte und gehörte damit der christlichen Minderheit Ägyptens an. Er stammte aus einer sehr reichen Landbesitzerfamilie und studierte an der Universität Kairo und an der Sorbonne in Paris Rechtswissenschaften. Nach dem Examen im Jahr 1947 erwarb er ein Jahr später in Paris auch das Diplom in Wirtschaft und 1949 in Politikwissenschaften und promovierte 1949 im Fach Internationales Recht. Durch sein Studium er sich eine enge Verbindung zu Frankreich aufgebaut, die ein Leben lang anhielt.

Seine politische Karriere begann Butros-Ghali 1977 als Staatssekretär in der ägyptischen Regierung. Als Diplomat und Außenminister setzte sich Butros-Ghali später insbesondere für die Aussöhnung seines Landes mit Israel ein. Er galt über viele Jahre als zentraler Faktor in der Außenpolitik Ägyptens. Er setzte dabei auch auf die Zusammenarbeit mit den USA. 1991 stieg er schließlich zum Vize-Ministerpräsidenten auf, im selben Jahr wurde er für den frei werdenden Posten des UN-Generalsekretärs vorgeschlagen.