Die Verhandlungen um die von Großbritannien geforderten EU-Reformen sind nach Einschätzung von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die heikelsten, die die EU jemals geführt hat. "Die Europäische Union war ganz klar noch nie in einer so dramatischen Lage wie in dieser Woche", sagte der SPD-Politiker nach einem Gespräch mit dem britischen Premierminister David Cameron.

Bei dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel gehe es um einen notwendigen Kompromiss mit einem Land, das eine der sieben führenden Wirtschaftsnationen (G 7) und vetoberechtigtes Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sei. "Wir wollen, dass es Mitglied der Europäischen Union bleibt", sagte Schulz.

Cameron hatte zuvor im Europäischen Parlament für seine Pläne einer EU-Reform geworben. Er verlangt vor einer Volksabstimmung der Briten über den Verbleib in der EU eine Reihe von Änderungen. Umstritten ist insbesondere eine Streichung von Sozialleistungen für EU-Ausländer in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft. Widerstand gibt es auch gegen die Forderung nach einem stärkeren Mitspracherecht bei Entscheidungen der Euroländer.

Schulz trug bei dem Treffen nach eigenen Angaben Bedenken des Parlaments vor, die berücksichtigt werden müssten. Positiv sei das Gespräch gewesen, "weil David Cameron ganz klar signalisiert hat: Es geht um einige spezifische britische Fragen, es geht keineswegs darum, die Europäische Union zu schwächen. Wir wollen uns gegenseitig stärken".

Die Verhandlungen sollen bei dem Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs abgeschlossen werden. Die Hoffnung ist, dass Zugeständnisse der EU die Briten dazu bringen, von einem sogenannten Brexit abzusehen. "Wir haben keinen Plan B, wir haben einen Plan A", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er ist sich sicher: "Großbritannien wird in der Europäischen Union als konstruktives und aktives Mitglied bleiben."