Großbritanniens Premierminister David Cameron hat für den am Donnerstagabend beginnenden EU-Gipfel harte Verhandlungen angekündigt. Er werde keine Übereinkunft akzeptieren, die nicht seinen Vorstellungen entspricht, sagte Cameron bei seiner Ankunft in Brüssel. "Ich werde für Großbritannien kämpfen. Wenn wir einen guten Deal bekommen, nehme ich diesen Deal."

Cameron will die Briten voraussichtlich im Juni über den Verbleib in der EU abstimmen lassen. Vor der Volksabstimmung verlangt er eine Reihe von Reformen auf europäischer Ebene. Gegenüber den EU-Partnern argumentiert Großbritannien, dass die Bevölkerung sich bei der Abstimmung ohne umfassende Zusagen für einen Austritt entscheiden könnte. Tatsächlich liegen im Umfragen derzeit die Befürworter eines Brexits leicht vorne.

Besonders umstritten ist die britische Forderung nach einer Streichung von Sozialleistungen für EU-Ausländer – ein Schritt, mit dem Großbritannien die Zuwanderung von EU-Bürgern verringern will. Dagegen wehren sich vor allem die osteuropäischen Staaten, deren Bürger es in besonders großer Zahl nach Großbritannien zieht. Widerstand gibt es auch gegen die britische Forderung nach einem stärkeren Mitspracherecht bei Entscheidungen der Euro-Länder. Insbesondere Frankreich fürchtet, dass die Briten ein Veto gegen Entscheidungen der Euro-Staaten durchsetzen könnten.

Angela Merkel - Britische EU-Mitgliedschaft in deutschem Interesse Bundeskanzlerin Merkel will sich auf dem EU-Gipfel dafür einsetzen, dass Großbritannien in der EU bleiben kann. Sie wolle "gerne alles tun", um die Voraussetzungen zu schaffen, "dass Großbritannien ein Teil der Europäischen Union bleiben kann".

Laut EU-Kreisen sind viele der Streitpunkte allerdings bereits beigelegt. Als größter Diskussionspunkt seien Sozialleistungen für EU-Migranten übrig, berichtet die Financial Times. Ein guter Teil der Spannungen vor dem Gipfel seien "politisches Theater", zitiert die Zeitung mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Juncker und Merkel zuversichtlich

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich trotz der offenen Punkte "ziemlich zuversichtlich", dass der Gipfel eine Einigung bringen wird. "Die Sache ist noch nicht gelaufen, aber die wird am Ende des Tages gelaufen sein", sagte Juncker. Derzeit gebe es "noch erheblichen Gesprächsbedarf". Er sei aber überzeugt, dass Großbritannien "ein konstruktives und aktives Mitglied der Europäischen Union" bleiben werde.

Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland werde sich auf dem EU-Gipfel dafür einsetzen, dass Großbritannien in der EU bleibe, sagte Merkel. "Das ist aus deutscher Sicht wichtig."

Großbritannien - EU-Skepsis ist in Clacton zu Hause Clacton-on-Sea an der englischen Ostküste hat sich den Ruf des EU-kritischsten Ortes im ganzen Vereinigten Königreich erarbeitet. Die Einwohner sind vor allem Ältere, Weiße und Arbeiter.