Kurz vor der Geberkonferenz für Syrien hat die Hilfsorganisation Oxfam Staaten wie Russland, Saudi-Arabien oder Frankreich vorgeworfen, den Opfern des syrischen Bürgerkrieges nicht genügend zu helfen. Gemessen an der Größe der Wirtschaft spende Russland nur ein Prozent und Saudi-Arabien 28 Prozent des Anteils, der eigentlich auf sie entfallen müsste, kritisiert Oxfam. Bei Frankreich sind es demnach 45 Prozent.

Alle drei Staaten intervenieren in Syrien: Russland unterstützt die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad mit Luftangriffen, Saudi-Arabien leistet Rebellen Militärhilfe und Frankreich beteiligt sich am internationalen Militäreinsatz gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Oxfam zufolge zahlen die meisten reichen Länder weniger als sie eigentlich sollten. Insgesamt erhält Syrien nur etwa die Hälfte der von den Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen angeforderten Unterstützung. Von den 8,9 Milliarden Dollar, die im vergangenen Jahr angefordert worden seien, seien 56,5 Prozent gezahlt worden. Den "fairen Anteil", den jedes Land beisteuern müsste, berechnet Oxfam anhand der Wirtschaftsleistung des Staates.

"Islamischer Staat" - Verzweiflung im vom IS belagerten Deir Essor Seit Monaten mangelt es in der syrischen Stadt Deir Essor an Lebensmitteln und Wasser. Die Regierungstruppen werden durch russische Luftangriffe unterstützt.

Größter Einzelspender sind demnach die USA, die allerdings nur 76 Prozent ihres fairen Anteils ausgaben. Einige europäische Länder hätten die Quote deutlich übererfüllt, etwa Dänemark (318 Prozent), Norwegen (385 Prozent) oder Großbritannien (237 Prozent). Deutschlands Quote liegt bei 152 Prozent.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die internationale Gemeinschaft vor der am Donnerstag startenden Geberkonferenz aufgerufen, großzügige Geldzusagen für die Flüchtlingslager der Vereinten Nationen um Syrien zu machen. "Es darf nicht noch einmal passieren, dass wie im letzten Jahr in den Flüchtlingslagern die Lebensmittelrationen halbiert werden müssen und Menschen hungern und frieren, weil den Helfern das Geld ausgeht", sagte Steinmeier der Rheinischen Post.

Wenige Flüchtlinge werden aufgenommen

"Die Zahl der Hilfsbedürftigen durch den Syrien-Konflikt nimmt zu, aber die Internationale Hilfe reagiert nicht darauf", teilte Oxfam mit. Die Vereinten Nationen haben bereits die Rationen für Geflüchtete gekürzt.

Kritik äußert Oxfam auch wegen der mangelnden Bereitschaft, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. So hätten die USA mit den zugesagten 10.000 Menschen nur sieben Prozent ihres Anteils erfüllt. Dagegen hätten Kanada, Norwegen und Deutschland ihre Quoten übererfüllt.

Allein in der Bundesrepublik wurden im vergangenen Jahr knapp 160.000 Asylbewerber aus Syrien registriert. Viele weitere wurden wegen des Rekordandrangs noch nicht erfasst. Oxfam zufolge hat Deutschland mittlerweile rund 40.000 Syrern erlaubt zu bleiben, sein fairer Anteil würde Oxfam zufolge nur bei 35.000 Syrern liegen.