Im Präsidentschaftswahlkampf der USA hat Ted Cruz bei den Republikanern die erste Vorwahl im Bundesstaat Iowa für sich entschieden. Der Texaner gewann 28 Prozent der Stimmen, während Donald Trump im landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat auf 24 Prozent kam. Der moderate Bewerber Marco Rubio kam auf überraschend starke 23 Prozent.

Trump hatte in Umfragen bei den Republikanern vorn gelegen. Seine Niederlage könnte dem Wahlkampfteam den Schwung nehmen. Allerdings schaffte bei den Republikanern der Sieger in Iowa weder 2008 noch 2012 schließlich auch die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten durch seine Partei.

Den Sieg holte Cruz mit großer Unterstützung der in Iowa sehr einflussreichen Evangelikalen und der konservativen Wähler. Vor vier Jahren war er mit dem Rückhalt der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung für Texas in den Senat in Washington gezogen. 

Trump räumte seine Niederlage ein. Dass er auf dem zweiten Platz gelandet sei, ehre ihn, sagte Trump vor Anhängern. Zugleich richtete er dem Sieger Ted Cruz seinen Glückwunsch aus. Zum Start seiner Kampagne habe man ihm davon abgeraten, in Iowa anzutreten, weil er es nicht unter die ersten zehn schaffen würde, sagte Trump. Er werde nun die nächste Vorwahl in New Hampshire gewinnen, sich die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner und letztlich den Einzug ins Weiße Haus sichern.

Marco Rubio feierte sein überraschend gutes Abschneiden wie einen Sieg. "Ich bin euch so dankbar, Iowa", sagte er vor Anhängern. "Ihr habt an mich geglaubt, als andere nicht geglaubt haben, dass diese Nacht möglich sein würde."

Nach der Entscheidung in Iowa haben weitere Bewerber ihren Rückzug erklärt. Etwa Mike Huckabee, der frühere Gouverneur von Arkansas, der sich bereits vor acht Jahren erfolglos um das Präsidentenamt bemüht hatte.

Bei den Demokraten zeichnete sich ein enges Rennen ab. Hillary Clinton und Senator Bernie Sanders liegen nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen nahezu gleichauf: Clinton kommt auf 49,9 Prozent, Sanders auf 49,6. Bereits aufgegeben hat Medienberichten zufolge der demokratische Ex-Gouverneur Martin O'Malley, der kaum Wähler für sich gewinnen konnte. O'Malley war von Beginn an ohne Chance.

Clinton, die in landesweiten Umfragen klar vor ihrem Rivalen führt, stellte sich auf einen langen Wahlkampf ein. "Ich bin wirklich aufgeregt, mit Senator Sanders in eine Debatte einzutreten, wie wir künftig am besten für uns und Amerika kämpfen", sagte sie.

Symbolische Wahl

Die Bedeutung der Wahl in Iowa, an dem sich gewöhnlich nur mehrere Hunderttausend Wähler beteiligen, ist vor allem symbolisch: Die Stimmen aus dem dünn besiedelten Bundesstaat fallen bei der landesweiten Kandidatenkür kaum ins Gewicht. Allerdings können die Sieger beider Parteien für sich in Anspruch nehmen, den ersten wirklichen Test bei dieser Wahl gewonnen zu haben. 180.000 Bürger stimmten in diesem Jahr ab, 2012 waren es nur 121.000 gewesen.

Bei den Demokraten sind in Iowa 44 Delegierte zu holen, bei den Republikanern 30. Das ist nur ein Bruchteil der Zahl, die ein Kandidat letztlich für die Nominierung benötigt: Bei den Demokraten sind es 2.382 Delegierte, bei den Republikanern 1.237.

Clinton hat einen großen Vorteil, weil sie auf die Unterstützung von 362 demokratischen Superdelegierten zählen kann. Bei diesen handelt es sich um Parteiführer, die nicht an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden sind und für einen Kandidaten ihrer Wahl stimmen können. Clintons Rivale Sanders hat acht solcher Superdelegierten auf seiner Seite, der weit abgeschlagene Martin O'Malley nur zwei.

Nach Iowa finden am 9. Februar die zweiten Vorwahlen in New Hampshire statt. Die letzten der 50 Bundesstaaten halten ihre Vorwahlen im Juni ab, einen Monat später nominieren beide Parteien dann offiziell ihre Kandidaten. Am 8. November findet die Präsidentenwahl statt, zu der Amtsinhaber Barack Obama nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf.