Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew hat die Flüchtlingspolitik der EU als "kolossalen Fehler" bezeichnet, der die europäische Identität bedrohe und rechten Parteien nutze. "Mir scheint, dass die Europäische Union zur Geisel ihrer unausgewogenen Migrationspolitik geworden ist", sagte er dem US-Magazin Time in einem Interview, dessen Wortlaut die Regierung in Moskau veröffentlichte. "Um ganz offen und ehrlich zu sein: Ich empfinde einfach Mitleid mit Europa", sagte Medwedew.

Die Flüchtlingskrise biete rechten Parteien die Möglichkeit, daraus Nutzen zu ziehen. "Nicht, weil die Menschen von der rechten Ideologie erfasst wurden, sondern weil sie sehr einfach denken: Wenn eine Million kostenlose Arbeitskräfte gekommen ist, wird ein Teil von ihnen auf den Arbeitsmarkt kommen, sodass wir unsere Arbeit verlieren, weil diese Arbeitskräfte billiger sind", sagte Medwedew.

Der Regierungschef wies Vorwürfe zurück, Russland wolle mit der Flüchtlingskrise Stimmung gegen Europa machen. "Wir können nicht und haben auch nicht vor, aus den Anti-Migranten-Stimmungen Profit zu schlagen. Wir sprechen einfach offen davon, wo hier eine Gefahr steckt", sagte Medwedew.

Dem US-Magazin sagte der russische Premier weiter, dass die vereinbarte Waffenruhe den Krieg in Syrien nicht stoppen werde. "Sie sind alle Banditen und Terroristen", sagte er und zielte damit ausdrücklich auf alle Rebellen, nicht nur den "Islamischen Staat". Bedingung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen sei, dass Staatschef Baschar al-Assad mit am Tisch sitze. Russland plane derzeit nicht, die Bombardements zu beenden.