Der amerikanische Traum stirbt. "Die da oben" lassen die Mittelschicht ins Elend rutschen. Die Vereinigten Staaten sind auf dem falschen Weg. Worte der Frustrierten, Verängstigten, Verbitterten, der Verzweifelnden, der Wutbürger Amerikas.

Aber kann ausgerechnet der Immobilienmagnat Donald Trump den Amerikanern ihren Traum zurückgeben und, wie er es verspricht, den Vereinigten Staaten zu ihrer alten Größe verhelfen? Er, der seine außenpolitischen Kenntnisse nach eigener Aussage aus Fernsehtalkshows bezieht? Der Forget Europe zu einem diplomatischen Grundsatz macht? Der elf Millionen illegale Einwanderer, zumeist Latinos, in denen er vor allem "Verbrecher, Mörder und Vergewaltiger" sieht, binnen zwei Jahren deportieren lassen will? Der eine 3.145 Kilometer lange Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen will, um weitere Migranten abzuwehren – und der obendrein so tut, als könne er die Mexikaner dazu bringen, die Kosten für das Bauwerk auch noch selbst zu übernehmen? Muslimen soll überhaupt die Einreise verwehrt werden. Importe aus China will er mit einem Schutzzoll von 45 Prozent belegen. Sonst freilich hat er zur Weltpolitik wenig zu sagen.

Trump ist ein gerissener Geschäftsmann. Zugleich ist er ein großer Selbstdarsteller – seine Fernsehsendung The Apprentice, in der er fast zehn Jahre lang die Rolle des erfolgreichsten und dynamischsten Entscheiders spielte, hat ihn knappe Diktion, Schlagfertigkeit und großkotzige PR-Präsenz gelehrt. Er ist ein Populist, Nationalist, Nativist. Ein selbstverliebter Narziss, der sich hinstellt und den unerhörten Satz von sich gibt: "Ich könnte in der Mitte der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, trotzdem würde ich keinen Wähler verlieren."

Außerdem ist Donald Trump ein Rüpel. Nach seinem eigenen Eingeständnis ein Womanizer, der sich gern seiner vielen Affären mit "verheirateten und unverheirateten Frauen" rühmt – ein Weiberheld und zugleich ein Frauenverächter. Man muss kein Feminist sein, um ihn widerwärtig zu finden. Hier ein paar Beispiele seiner Äußerungen über "Bimbos", auf Deutsch wohl am ehesten Tussis:

•    Über Megyn Kelly, die Talk-Moderatorin des konservativen Fox-TV-Senders, die ihn geärgert hatte: Sie sei nicht objektiv, "wenn das Blut wo auch immer aus ihr herausströmt".

•    Über Hillary Clinton: "Wenn Hillary nicht einmal ihren Mann befriedigen kann, wie kommt sie dann dazu zu glauben, dass sie Amerika befriedigen kann?" Ein andermal nannte er es "eklig", dass sie während einer Diskussion zur Toilette ging; eklig hatte er auch eine gegnerische Anwältin gefunden, die eine Prozesspause erbat, um Muttermilch für ihr Baby abzupumpen.

•    Über Angelina Jolie: "Sie hat so viele Kerle gehabt, dass ich im Vergleich bloß wie ein Baby aussehe."

•    Über die Onlinegröße Arianna Huffington: "Inwendig wie auswendig unattraktiv."

•    Über seine Tochter Ivanka: "Wenn sie nicht meine Tochter wäre, würde ich mich vielleicht an sie heranmachen."

Man fragt sich zwar, wie der Frauenverächter mit Bundeskanzlerin Merkel, mit der IWF-Chefin Lagarde oder mit Königin Elizabeth zurechtkäme. Er setzt da auf die "Stärke seiner Person". Aber wie will er mit Putin oder Xi Jinping fertigwerden, wenn er schon vor einer unerschrockenen Fernsehmoderatorin den Schwanz einzieht?

Bisher haben seine unflätigen Sprüche Trump nichts anhaben können. Auch wenn er jetzt in Iowa Zweiter wurde, aber nächste Woche in New Hampshire stark bleibt, wird er schwerlich zu stoppen sein. Dann wird er der Kandidat der Republikaner und, weiß der Teufel, sogar der 45. Präsident der USA.

Es sei denn, die Frauen machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Vor vier Jahren waren 53 Prozent der Wähler weiblichen Geschlechts; der damalige republikanische Kandidat konnte aber nur 44 Prozent auf seine Seite ziehen. Das müsste Trump weit übertreffen.

"Es ist mir egal", sagte er vor Kurzem, "was die Medien über mich schreiben, solange man ein junges und schönes Stück Hintern an seiner Seite hat".

Die amerikanischen Wählerinnen, die er inwendig und auswendig beschmutzt, sollten ihm den elektoralen Flankenschutz verweigern. Die Welt könnte aufatmen.