Eigentlich wollte EU-Ratspräsident Donald Tusk den Brexit-Deal zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien bei einem englischen Frühstück am Freitagmorgen beschließen. Doch daraus wird nichts: Die vermeintlich einfachen Verhandlungen auf dem EU-Gipfel in Brüssel ziehen sich und werden wohl auch bei einem weiteren gemeinsamen Abendessen aller Staats- und Regierungschefs nicht zu einem Abschluss gebracht werden können.

"Wir wurden gebeten, uns Hotelzimmer zu besorgen", hieß es aus Diplomatenkreisen. Demnach habe es bei den meisten Streitthemen zwischen Brüssel und London Fortschritte gegeben, aber: "Nichts ist vereinbart, bevor nicht alles vereinbart ist." Die Beratungen sollten – wenn möglich – beim Dinner auf höchster Ebene abgeschlossen werden. "Wir müssen weitermachen", hieß es in Brüssel.

Kurz vor dem Abendessen wurde ein neuer Beschlussentwurf vorgelegt, der Bezug nimmt auf die Reformforderungen Großbritanniens. Maltas Premierminister Joseph Muscat schrieb auf Twitter, das Dokument sei aus seiner Sicht "ein guter Kompromiss", auch wenn "Überraschungen in letzter Minute" nicht ausgeschlossen werden könnten. EU-Ratspräsident Donald Tusk, der die Verhandlungen leitet, war vor dem Abendessen der 28 Staats- und Regierungschefs mit dem EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) und mehreren Parlamentsabgeordneten zusammengekommen.

Auch David Cameron musste seinen Zeitplan revidieren. Ursprünglich wollte der britische Premier noch am Freitag – unmittelbar nach einer Einigung mit seinen Gipfelkollegen – sein Kabinett in London zusammenrufen und im Anschluss daran das Datum für das Referendum verkünden. Nun schrieb er auf Twitter: "Verhandlungen gehen weiter in den Abend. Eine Kabinettssitzung wird heute Abend nicht möglich sein." Das Treffen seiner Minister werde es geben, "wenn und falls eine Einigung erfolgt ist", so Cameron.  

Cameron will die Briten voraussichtlich im Juni über den Verbleib in der EU abstimmen lassen. Davor verlangt er eine Reihe von EU-Reformen, die aber bei mehreren Ländern auf Widerstand stoßen.

Zudem verknüpfte Griechenland seine Zustimmung zu einem Brexit-Kompromiss auch noch mit der Flüchtlingskrise: Regierungschef Alexis Tsipras verlangte nach Angaben aus Athen eine Garantie, dass die anderen EU-Staaten ihre Grenzen für Flüchtlinge bis Anfang März nicht schließen.