Die Polizeichefs von Slowenien, Österreich, Mazedonien, Serbien und Kroatien haben sich darauf verständigt, nur noch etwa 580 Flüchtlinge am Tag durchreisen zu lassen. Der Transit durch die Westbalkanstaaten solle so auf eine Zahl begrenzt werden, die eine Kontrolle jedes Flüchtlings entsprechend den Schengen-Regeln ermögliche. Das teilte die slowenische Polizei mit. Der serbische Innenminister Nebojša Stefanović sprach dagegen von einem täglichen Kontingent von 500 Flüchtlingen.

Österreich und die Balkanstaaten hatten bereits am Mittwoch in Wien ein gemeinsames Vorgehen zur Reduzierung der Flüchtlingszuwanderung vereinbart. Sie setzen dabei auf nationale Maßnahmen an den Grenzen. Mazedonien etwa lässt an der Grenze mit Griechenland nur noch Flüchtlinge aus Syrien und Irak ins Land. Afghanen werden zurückgewiesen.

Durch die neuen Regelungen sitzen immer mehr Migranten in Griechenland fest. Weil sie auf der Balkanroute nicht mehr weiterkommen, halten sich in dem Land nach Schätzungen der Behörden inzwischen rund 20.000 Flüchtlinge auf. Täglich treffen neue Migranten aus der Türkei auf den Ägäisinseln ein. Zudem harren mehr als 4.000 Flüchtlinge an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni aus. Dort kam es in der Nacht zum Freitag zu Schlägereien und Messerstechereien unter Migranten, wie das Staatsradio berichtete.

In Griechenland sowie in den Balkanländern richten UN-Organisationen derzeit 20 Anlaufstellen für Familien und unbegleitete Kinder ein. Dort fänden die Flüchtlinge einen sicheren Platz zum Schlafen und Spielen sowie rechtliche Beratung, teilten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das Kinderhilfswerk Unicef mit. Einige Einrichtungen seien in Griechenland bereits in Betrieb, die anderen sollen in den nächsten drei Monaten in Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien folgen. Inzwischen sind 60 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Wichtige Aufgabe der Zentren sei auch die Familienzusammenführung. Viele Kinder würden bei Chaos an den Grenzen und beim Gedränge an den Bussen ihre Eltern und Angehörigen aus den Augen verlieren.

Der EU-Ratspräsident Donald Tusk kündigte derweil an, in der kommenden Woche in die Hauptstädte mehrerer Länder der Balkanroute zu reisen. Am Dienstag werde er Gespräche in Wien führen, bis Donnerstag folgen Stationen in Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Griechenland. Hintergrund sei die Zuletzt beim EU-Gipfel vergangene Woche erhobene Forderung, zu den Schengen-Regeln zurückzukehren. Die sehen freien Personenverkehr innerhalb der EU vor. eine Praxis, die insbesondere in de Balkanstaaten wegen der vielen Flüchtlinge aktuell nicht durchgehalten wird.