Der Bürgermeister der griechischen Insel Kos hat die Regierung in Athen aufgerufen, auf die Einrichtung eines sogenannten Hotspots zur Registrierung von Flüchtlingen auf der Insel zu verzichten. Andernfalls fürchte er gewalttätige Proteste von Inselbewohnern, schrieb Giorgos Kiritsis in einem Brief an Ministerpräsident Alexis Tsipras, den die amtliche Nachrichtenagentur ANA am Sonntag veröffentlichte.

Vor einigen Tagen war es bereits zu Auseinandersetzungen von Einwohnern mit der Polizei in der Nähe des Geländes gekommen, auf dem das Registrierzentrum auf Druck der EU gebaut werden soll. Dabei wurden drei Menschen verletzt. Am Wochenende zündeten Demonstranten auf der Zufahrtsstraße zum geplanten Hotspot bei Pyli-Limni Reifen an und bewarfen Beamte mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein.

Die griechische Regierung hatte aufgrund der Spannungen mehr Polizisten nach Kos gesandt, was der Bürgermeister nun einen Fehler nannte. Die Sicherheitskräfte sollten wieder abberufen werden, um die Lage zu entschärfen, schrieb er an Tsipras. Unter dem Druck der EU, die Kontrollen an der griechisch-türkischen Seegrenze zu verbessern, hat Athen zugesagt, die Hotspots auf Kos und vier weiteren Ägäis-Inseln bis Mitte Februar fertigzustellen.

Mehr als 68.000 Flüchtlinge seit Jahresbeginn

Während sich die Verwaltungen auf den Inseln Lesbos, Leros, Samos und Chios einverstanden erklärten, protestierte Kos von Anfang an gegen das Vorhaben. Die dortige Verwaltung fürchtet, dass die langfristige Anwesenheit von Flüchtlingen dem Tourismus schadet. Behördenvertreter schlugen vor, die Flüchtlinge zwar auf Kos zu registrieren, dann aber sofort weiterzuschicken. Auch am Festland gab es Proteste gegen die Regierungspläne. In Thessaloniki, wo ein Aufnahmelager für 4.000 Personen entstehen soll, stürmten nach Polizeiangaben Einwohner eine verlassene Kaserne, um die Bauarbeiten des Aufnahmezentrums zu verhindern.

Mehr als 68.000 Menschen setzten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR seit Jahresbeginn von der türkischen Ägäis-Küste zu den griechischen Inseln über. Allein in den ersten sechs Februartagen kamen demnach 7.521 Migranten nach Griechenland, im ganzen Februar 2015 waren es 2.873. Mindestens 366 Menschen überlebten die Überfahrt nicht oder werden vermisst.

Am griechisch-mazedonischen Eisenbahngrenzübergang bei Idomeni-Gevgelija harrten am Wochenende bei eisigen Temperaturen nach Schätzungen der Polizei zwischen 5.000 und 7.000 Flüchtlinge aus. Der Stau entstehe, weil die Menschen nur in kleineren Gruppen nach Mazedonien gelassen würden.