Protestierende Flüchtlinge blockieren Bahnschienen in der Nähe der griechischen Stadt Idomeni. © Petros Giannakouris/AP

Wegen der mittlerweile wesentlich strengeren Grenzkontrollen entlang der Balkanroute stranden immer mehr Flüchtlinge in Griechenland. Bereits jetzt säßen rund 22.000 Menschen fest, sagte der zuständige griechische Minister Ioannis Mouzalas dem Sender Mega TV. Er schätze, dass im kommenden Monat die Zahl auf 50.000 bis 70.000 Menschen steigen werde.

Dieser Anstieg der Flüchtlingszahlen könnte Griechenland überfordern. Allein am Grenzposten Idomeni am Übergang nach Mazedonien sitzen etwa 6.500 Flüchtlinge fest. Ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser ist nicht mehr gesichert. Auch im Rest des Landes gibt es Probleme, die Auffanglager von Lesbos über Athen bis Idomeni sind überfüllt.

Mazedonien ließ am Samstag am Grenzübergang Idomeni nur 300 Flüchtlinge durch. In der vergangenen Woche hatte die Regierung in Skopje eine restriktive Grenzregelung beschlossen. Afghanen werden seitdem grundsätzlich nicht mehr nach Mazedonien gelassen, bei Irakern und Syrer werden die Personalpapiere schärfer kontrolliert. Bislang war der Großteil der in Griechenland eintreffenden Flüchtlinge umgehend Richtung Nordwesteuropa weitergereist.

Die Menschen müssen inzwischen mit immer mehr Hindernissen rechnen, bevor sie in Länder wie Deutschland oder Schweden gelangen können. Neben Mazedonien legten auch Slowenien, Kroatien und Serbien Tageslimits in einer Größenordnung von wenigen Hundert Migranten fest. Österreich beschloss eine Obergrenze von 80 Asylbewerbern pro Tag.

Er gehe davon aus, dass der Andrang von Flüchtlingen nachlassen werde, wenn sich die Nachricht von der Abriegelung der mazedonischen Grenze verbreite, sagte Mouzalas. Dazu komme der beschlossene Anti-Schlepper-Einsatz der Nato in der Ägäis. Das werde nach seiner Ansicht die Zahl der Neuankömmlinge auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland um 70 Prozent verringern.

Flüchtlinge suchen neue Wege

Doch auch wenn deutlich weniger Migranten über die Balkanroute kommen, ist das Problem für die EU nicht gelöst. "Es gibt Anzeichen, dass die Flüchtlinge neue Wege suchen, um nach Mitteleuropa zu gelangen", sagte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Staatsanwaltschaft in der süditalienischen Region Apulien teilte mit, sie rechne mit einem Rückschlageffekt der Grenzschließungen im Norden Griechenlands. Italien plädiert für eine gemeinsame europäische Grenzpolizei. Diese sollte nach den Vorstellungen von Finanzminister Padoan über einen eigenen EU-Haushalt finanziert werden.