Österreich fordert von Brüssel einem Zeitungsbericht zufolge eine Entschädigung für die Mehrkosten, die durch die Aufnahme von Flüchtlingen im vergangenen Jahr entstanden seien. Sein Land könne sich jährlich um rund 35.000 Asylsuchende kümmern, schrieb Finanzminister Hans Jörg Schelling in einem Brief an EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, aus dem der Kurier am Samstag zitierte. Im vergangenen Jahr seien es aber 90.000 gewesen und Österreich habe zusätzliche 600 Millionen Euro ausgeben müssen. Ein Regierungssprecher bestätigte den Bericht.

Dem Brief zufolge, der bereits Ende Januar verschickt worden sein soll, fordert der österreichische Finanzminister nun eine Entschädigung aus Brüssel. Zudem regte er eine Aufstockung des europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (Amif) mit einer veränderten Ausschüttung für die am meisten betroffenen Länder an. Zudem müssten auch Fonds, die eigentlich für Naturkatastrophen gedacht seien, sowie andere ungenutzte Geldmittel für die Flüchtlingskrise genutzt werden.

Dem Kurier zufolge zeigte sich Finanzminister Schelling "persönlich zunehmend frustriert" über die "riesigen Probleme" der EU. Die Kommission müsse zu ihrer "normalen Funktion einer unabhängigen Institution" zurückkehren.

Österreichs EU-Kommissar für Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen, Johannes Hahn (ÖVP), sieht andere in der Pflicht: "Nicht die Kommission ist der Adressat, der Brief sollte an die EU-Regierungen gerichtet sein, die in der Flüchtlingspolitik säumig sind und sich nicht an einer gemeinsamen europäischen Lösung beteiligen."

Der Flüchtlingsandrang über die Balkanroute nach Europa hat sich im vergangenen Jahr dramatisch zugespitzt. Von dort aus machen sich die Schutzsuchenden vor allem auf den Weg nach Deutschland, Schweden und Österreich. Die österreichische Regierung hatte zuletzt mehrmals gefordert, die EU-Außengrenzen stärker zu kontrollieren.