Die Innen- und Außenminister aus Mazedonien und anderen Balkanländern treffen sich auf Einladung der österreichischen Regierung an diesem Mittwoch zu einer Strategietagung in Wien – auch um den Druck auf Deutschland und dessen Politik der Willkommenskultur auszuüben. So forderte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz eine klare Ansage aus Berlin zum Umgang der Bundesregierung mit neu ankommenden Flüchtlingen. "Wir erwarten, dass Deutschland sagt, ob es noch bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen und wie viele – oder ob es nicht mehr dazu bereit ist", sagte er der Bild-Zeitung. Sein Land habe im vergangenen Jahr doppelt so viele Asylanträge wie Deutschland gehabt. "Das geht kein zweites Mal. Wir müssen generell den Flüchtlingsstrom reduzieren."

Darüber wollen die 18 Minister unter anderem aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Slowenien in Wien beraten und setzen dabei vor allem auf die Grenzsicherung entlang der Balkanroute. Eine entscheidende Rolle kommt dabei Mazedonien zu, das Anfang der Woche eine umstrittene Entscheidung getroffen hat: Derzeit lässt es nur Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak passieren, Menschen aus Afghanistan dagegen werden an der mazedonisch-griechischen Grenze nicht durchgelassen.

Der mazedonische Außenminister Nikola Poposki verteidigte dieses Vorgehen. "Es gab Entscheidungen in Kroatien und Serbien, keine Afghanen mehr über die Grenze zu lassen, die nicht nachweisen können, dass sie aus Konfliktregionen kommen", sagte er der Bild. "Wir haben keine unilaterale Entscheidung gefällt, sondern auf die Entwicklung in den anderen Ländern reagiert." Für die Dauer der Grenzschließung könne er keinen Zeitrahmen nennen.

Balkanroute - Tausende Flüchtlinge sitzen in Griechenland fest Eine Fähre mit mehr als tausend Flüchtlingen an Bord ist im griechischen Hafen Piräus eingelaufen. Ihnen ist der Weg Richtung Norden versperrt, da Mazedonien seine Grenze für die meisten Migranten geschlossen hat.

Soldaten aus Österreich nach Mazedonien

Unterstützung bekommt Mazedonien künftig offenbar von österreichischen Soldaten. Diese könnten bei der Sicherung der Grenze dort helfen, sagte der österreichische Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. "Österreich ist für verstärkte Grenzkontrollen entlang der Balkanroute und bietet hier Mazedonien auch Unterstützung mit Soldaten an", sagte der SPÖ-Politiker vor dem Treffen in Wien. Derzeit sei eine Abordnung des Wiener Verteidigungsministeriums vor Ort, um den Bedarf mit den mazedonischen Behörden zu klären.

Die Verabredungen und eventuellen Beschlüsse von Österreich und den Balkanstaaten betreffen auch Griechenland – das allerdings nicht nach Wien geladen ist. Die Regierung in Athen hat bereits dagegen protestiert. "In unserer Abwesenheit wird versucht, über unsere Grenzen zu entscheiden", sagte ein Sprecher.

Neben der EU-Kommission kritisierte auch der Direktor der europäischen Grenzschutzagentur Frontex solche nationalen Alleingänge. "Wenn einzelne Staaten ihre Grenzen schließen, hilft das nicht", sagte Fabrice Leggeri den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Als Ungarn die Grenze mit einem Zaun abgeriegelt hat, kamen die Menschen über die Balkanstaaten in Richtung EU." Flüchtende Menschen in Not würden sich neue Wege nach Europa suchen, die Lösung könne deshalb nur eine Verteilung der Menschen in Europa und der Schutz des Schengen-Raums sein.