Trotz aller Appelle an die Türkei zur besseren Grenzsicherung wird der Flüchtlingsandrang in Griechenland weiterhin größer. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR setzten seit Jahresbeginn mehr als 68.000 Menschen von der türkischen Ägäisküste zu den griechischen Inseln über. Allein in den ersten sechs Februartagen kamen demnach rund 7.500 Migranten nach Griechenland – im ganzen Februar 2015 waren es 2.873. Fast alle Migranten versuchen, von Griechenland aus auf der sogenannten Balkanroute weiter Richtung Österreich und Deutschland zu gelangen.

Die Türkei ist für Migranten das wichtigste Transitland auf dem Weg nach Griechenland und in den Schengen-Raum. Die Regierung in Ankara hatte Ende November zugesagt, die Grenzen der Türkei besser zu schützen. Im Gegenzug versprach die EU mindestens drei Milliarden Euro für die Versorgung der mehr als zwei Millionen Flüchtlinge in der Türkei. Kritiker werfen der Türkei vor, bislang unter ihren Möglichkeiten zu bleiben.

Auch die griechischen Behörden sind ratlos. Außenminister Nikos Kotzias zufolge kämen täglich 2.000 bis 2.400 Flüchtlinge über die Ägäis. Diesen Andrang könne man nicht mit Zäunen stoppen. Kotzias forderte bessere Unterstützung durch die EU. "Wir haben die EU aufgefordert, uns 2.000 Beamte der Grenzschutzagentur Frontex und 100 Boote zu schicken", sagte er der Rheinischen Post. Bislang seien aber nur 800 Beamte gekommen.

Proteste in Griechenland gegen Hotspots und Aufnahmelager

Griechenland steht seit Monaten unter Druck, den Andrang der Flüchtlinge nach Europa zu begrenzen. Die EU-Kommission hatte dem Land Ende Januar schwere Versäumnisse bei der Grenzkontrolle vorgeworfen. Bis Mai soll das Land die Situation verbessern. Der griechische Außenminister beklagte nun, dass einige Politiker versuchten, seinem Land den Schwarzen Peter zuzuschieben und es "zum Sündenbock Europas zu machen".

In Griechenland wächst währenddessen der Widerstand gegen Registrierzentren und Aufnahmelager für Flüchtlinge. Nach Polizeiangaben stürmten Einwohner einer Vorstadt von Thessaloniki eine verlassene Kaserne, um die Bauarbeiten eines großen Aufnahmezentrums zu verhindern. Auf der Ferieninsel Kos zündeten Demonstranten auf der Zufahrtsstraße zum geplanten Hotspot bei Pyli-Limni Reifen an und bewarfen Beamte mit Steinen.

Nach internationaler Kritik drückt Griechenland beim Hotspotbau aufs Tempo. Fünf Zentren sollten eigentlich schon Ende 2015 fertig sein, bislang gibt es jedoch nur eines auf der Insel Lesbos. Nun erklärten Regierungsvertreter, die restlichen Hotspots auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos seien binnen zwei Wochen fertig. Athen plant zudem zwei große Aufnahmelager für jeweils 4.000 Menschen nahe der Hauptstadt und Thessaloniki.