Frankreichs früherer Regierungschef Jean-Marc Ayrault wird neuer Außenminister des Landes. Der 66-Jährige folgt auf den bisherigen Amtsinhaber Laurent Fabius, teilte der Élysée-Palast mit.

Ayrault war von 2012 bis 2014 Regierungschef und musste nach Wahlniederlagen der Sozialisten dem aktuellen Premierminister Manuel Valls weichen. Der frühere Deutschlehrer gilt als ein großer Deutschlandfreund, was die Zusammenarbeit erleichtern könnte.

Der bisherige Außenminister Fabius soll nach dem Willen von Präsident François Hollande Präsident des französischen Verfassungsrats werden. Nach Angaben der New York Times galt Fabius aber auch als Kritiker der US-Außenpolitik, insbesondere in Bezug auf Syrien: Er habe sich nach Bekanntwerden des Chemiewaffeneinsatzes durch das Assad-Regime für eine Intervention ausgesprochen und war dann frustriert von der ausbleibenden Reaktion der USA. 

Die übrigen wichtigsten Ministerposten ließ Hollande unverändert. Im Zuge der Regierungsumbildung kehren die Grünen in die Regierung zurück. Grünen-Chefin Emmanuelle Cosse wurde zur neuen Wohnungsbauministerin ernannt. Der Grünen-Politiker Jean-Vincent Placé wird als Staatssekretär für Staatsreformen zuständig sein.

Die Grünen waren im Frühjahr 2014 aus der Regierung ausgeschieden – sie waren nicht mit der Nominierung des zum rechten Sozialistenflügel gehörenden Valls zum Premier einverstanden.

Hollande braucht linkes Lager

Über die Regierungspolitik hinaus hat die erwartete Regierungsumbildung deshalb eine wahltaktische Dimension: Denn der unter desaströsen Umfragewerten leidende Hollande muss das linke Lager hinter sich bringen, wenn er in rund 15 Monaten Chancen auf eine Wiederwahl haben will.

Hollande müsse "um jeden Preis seine politische Basis erweitern", sagte ein Vertrauter des Staatschefs. "Man kann keine Präsidentschaftswahl angehen, wenn nicht die sozialistische Familie hinter ihrem Kandidaten versammelt ist, und ohne die Grünen."

Tatsächlich stößt Hollandes Politik – der wirtschaftsfreundliche Kurs einerseits und die Verschärfung der Sicherheitspolitik seit den Anschlägen des vergangenen Jahres andererseits – in den eigenen Reihen auf scharfe Kritik. Viele Sozialisten werfen dem Staatschef vor, mit seinem Premierminister Valls keine linke Regierungspolitik mehr zu verfolgen.

Ein geschlossenes linkes Lager wird es bei den Präsidentschaftswahlen 2017 aber ohnehin nicht geben: Der bekannte Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon gab am Mittwochabend seine Kandidatur bekannt. Je mehr linke Kandidaten es im ersten Wahlgang gibt, desto geringer sind Hollandes Chancen, es in die Stichwahl zu schaffen.