Die französische Justiz hat die geplante Teilräumung des Flüchtlingslagers in Calais gebilligt. Laut französischen Medienberichten erklärte das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille ein entsprechendes Dekret am Donnerstag für rechtmäßig. Damit können die Behörden wie geplant den südlichen Teil des als "Dschungel" bekannten Lagers am Ärmelkanal räumen.

In dem Abschnitt leben nach Angaben der Behörden bis zu 1.000 Flüchtlinge in selbst gebauten Hütten und Zelten. Hilfsorganisationen sprechen dagegen von rund 3.500 Flüchtlingen.

Die Präfektur des Départements Pas-de-Calais hatte den Flüchtlingen bis Dienstagabend Zeit gegeben, den südlichen Abschnitt zu räumen. Flüchtlinge und Hilfsorganisationen versuchten, die Räumung per einstweiliger Verfügung zu verhindern, und zogen vor das Verwaltungsgericht von Lille. Das Ultimatum der Behörden wurde damit bis zur Entscheidung des Gerichts unwirksam. Nun aber gab das Verwaltungsgericht der Präfektur recht.

Seit Monaten versuchen Tausende Flüchtlinge, über den Tunneleingang in Calais auf die britische Insel zu gelangen. Beim Versuch, auf Lastwagen und Züge zu springen, die unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien fahren, sind bereits mehrere Menschen gestorben. Ende Juli eskalierte die Situation: Jede Nacht gab es etwa 2.000 Fluchtversuche. In der Folge wurden neue Zäune am Eingang des Tunnels errichtet und die Polizeipräsenz verstärkt.