Einen Tag vor der Abstimmung im Senat forderten Demonstranten in Rom mehr Rechte für homosexuelle Paare. © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Mit einem Vertrauensvotum hat Matteo Renzi im Senat ein Gesetz zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durchgesetzt. Der italienische Ministerpräsident knüpfte seine politische Zukunft an die Abstimmung – bei einer Niederlage hätte er zurücktreten müssen. Das Oberhaus des Parlaments votierte mit 173 zu 71 Stimmen mit einer deutlichen Mehrheit für den Entwurf, wie Senatsvorsitzender Pietro Grasso sagte. Renzi begrüßte die Entscheidung. "Dieser Tag wird in die Chronik dieser Regierung eingehen und in die Geschichte unseres Landes", schrieb er bei Facebook. "Die Hoffnung hat über die Angst gesiegt."

Die Vorlage aus Renzis Fraktion der Demokratischen Partei (PD) soll Schwulen und Lesben weitgehend die Rechte und Pflichten von Eheleuten einräumen – etwa bei der Namenswahl, dem Erbrecht und Sozialleistungen. Jetzt muss noch das Abgeordnetenhaus über den Entwurf abstimmen.

Für homosexuelle Paare ist das Gesetz allerdings nur ein Teilerfolg. Sie hatten das Recht gefordert, leibliche Kinder des eingetragenen Lebenspartners zu adoptieren. Der Vorschlag scheiterte jedoch am Widerstand des konservativen Koalitionspartners, der christdemokratischen Partei Neue Rechte Mitte (NCD).

Italien ist das letzte Land in Westeuropa, in dem es bisher überhaupt keine rechtliche Grundlage für gleichgeschlechtliche Paare gab. 2014 war erstmals ein Paar homosexueller Männer ins amtliche Eheregister eingetragen worden. Ein Gericht in Grosseto in der Toskana urteilte damals, dass die 2012 in New York geschlossene Ehe eines 68-jährigen und eines 57-jährigen Italieners auch von den italienischen Behörden anerkannt werden müsse. In den vergangenen Jahren war der Ruf nach mehr Rechten für Homosexuelle lauter geworden. Ende Januar etwa nahmen Zehntausende Menschen an Demonstrationen in 100 Städten teil.