Der Tonfall, den Hillary Clinton am Wahlabend in New Hampshire gegenüber ihren Anhängern anschlug, hatte etwas leicht Verzweifeltes. Um jede Stimme in jedem Staat werde sie in den kommenden Vorwahlen kämpfen, gelobte sie, nur um kurz darauf erneut zu betonen, dass viele ihrer Ziele die gleichen seien wie die des Siegers des Abends, Bernie Sanders.

Von dem Selbstbewusstsein einer Hillary Clinton, die sich noch vor wenigen Monaten als Selbstläufer im Nominierungskampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten sah, war da kaum mehr etwas zu spüren. Nach einem hauchdünnen Sieg in Iowa und einer Schlappe gegen Bernie Sanders in New Hampshire ist Clinton in die Defensive gerückt.

Das hatte Clinton freilich schon in den Tagen vor New Hampshire vorweggenommen. "Es wird ein Bergaufkampf für mich", hatte sie prophezeit. In den Umfragen in New Hampshire lag sie klar zurück. Der Heimvorteil von Sanders, der den Nachbarstaat von New Hampshire, Vermont, im US-Senat vertritt, ließ einen Sieg von Clinton unwahrscheinlich erscheinen.

US-Vorwahlen - Sanders und Trump gewinnen in New Hampshire Die Überraschung dieser Vorwahl ist das starke Ergebnis des Senators Bernie Sanders, der nun deutlich vor Hillary Clinton liegt. Bei den Republikanern hat sich Donald Trump die meisten Stimmen gesichert.

Dass Clinton ihre Erwartungen für New Hampshire von vornherein so niedrig gehängt hat, war bereits eine Art Niederlage. In der Wahl gegen Obama im Jahr 2008 hatte sie den jetzigen Präsidenten in diesem Bundesstaat entscheidend geschlagen und damit den Grundstein für ein lange Zeit äußerst knappes Rennen gelegt. Und ihr Ehemann hatte ebenfalls 1992 mit einem klaren Sieg dort seine später erfolgreiche Kampagne gestartet.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Das politische Klima ist im Jahr 2016 merklich anders. Viele der Wähler, auf die sich Clinton noch vor Jahren verlassen konnte, haben sich von ihr abgewandt.

So wanderte etwa die weiße Arbeiterschicht, die in New Hampshire einen großen Bevölkerungsanteil stellt, geschlossen zu den extremeren Kandidaten Trump und Sanders. Vor acht Jahren noch zog bei ihnen Clintons Herkunft aus einer Arbeitergegend in Pennsylvania. Auch die traditionelle Beheimatung der Arbeiterschicht in der demokratischen Partei sprach damals für Clinton. In diesem Jahr sind den Angehörigen der Arbeiterschicht jedoch Sanders und Trump näher. Denn Clinton gehört in ihren Augen zum Establishment.

Vertreterin einer verhassten Klasse

Das liegt nicht allein an ihrer Zeit als Außenministerin. Auch ihre Nähe zur Finanzwirtschaft macht sie zur Vertreterin der verhassten politischen Klasse von Washington. Einerseits nimmt Clinton für ihre Kampagnen enorme Summen von der Wall Street an. Andererseits versucht sie, sich als große Regulatorin der Finanzwirtschaft und der Wahlkampffinanzierung zu positionieren. In keiner Debatte konnte Clinton erklären, wie das zusammenpassen soll.

Diesen Widerspruch hat Sanders bislang erfolgreich ausgespielt. Mit seinem System der kleinen Wahlkampfspenden von kleinen Leuten erscheint er glaubhafter. Er versucht, sich als authentischer Kandidat zu positionieren – ein Attribut, mit dem Clinton sich ausgesprochen schwertut.