Während sich dieser Tage im Lager der Republikaner die Kandidaten in allen erdenklichen Konstellationen verbal die Köpfe einzimmern, schwingt das Gemütspendel der Demokraten seicht hin und her. New Hampshire, Nevada. Sanders, Clinton – tick, tock.

So gesehen müssten in Hillary Clintons Kalender für die vergangenen sieben Tage ein, zwei Fleißsternchen kleben: Es war eine gute Woche für die Exaußenministerin. Nicht nur, weil sie die Vorwahlen von Nevada gegen Bernie Sanders für sich entschieden hatte und eine Woche später, am gestrigen Samstag, zudem in South Carolina triumphierte. Nein, vor allem, weil sie als Wahlkämpferin die richtigen Stellschrauben zum richtigen Zeitpunkt nachgezogen hatte. Perfektes Timing für den anstehenden Super Tuesday.

Vielleicht lag eine Spur zu viel Übermut in ihrer Dankesrede am Abend auf dem Campus der University of South Carolina in Columbia. Wenn, dann war der aber nicht unverdient. 74 Prozent der Stimmen fielen auf Clinton. Sanders erreichte gerade mal 26 Prozent. Es wirkte, als hätte die Kandidatin ihrem Kontrahenten beim Armdrücken nur den kleinen Finger gereicht, um am Ende trotzdem locker zu gewinnen.

"Wir haben jetzt vier Vorwahlen hinter uns, und ich möchte Senator Sanders gratulieren, er hat eine großartige Kampagne gefahren", sagte Clinton vor ihren jubelnden Anhängern. Solch ein Gruß gehört zum guten Ton, soviel Erfahrung hat sie und so viel Stil besitzt sie, dem Unterlegenen zu danken. Selbst wenn er sich hier nicht als richtiger Sparringpartner erwies. 

Den gönnerhaften Teil hatte sie damit hinter sich gebracht. Was folgte, klang als Satz harmlos, war jedoch eine schön zwischen den Zeilen versteckte Gemeinheit: "Ab morgen starten wir den Wahlkampf bundesweit." – Bundesweit, das sollte heißen: Die Herausforderung Bernie Sanders ist keine mehr. Jetzt kümmern wir uns um die Konkurrenz auf der anderen Seite.

"Trotz allem, was man so hört, müssen wir Amerika gar nicht wieder groß machen. Amerika hat nie aufgehört, großartig zu sein", sagte sie in direkter Anspielung auf Donald Trumps bislang mit wenig Inhalt gefüllten Hohlkörper names Make America great again, in den er so oft und gern hineinbellt.

 "Wir müssen Amerika wieder vereinen. Anstatt Mauern zu errichten, sollten wir Grenzen überwinden." Noch ein Verweis auf Trump und seinen Plan, entlang der mexikanischen Grenze eine Mauer hochzuziehen. Wenn sich Clinton nun also Donald Trump als neuen Gegner ausgesucht hat, scheint sie ihm gleichzeitig etwas abgeguckt zu haben. Ihm und dem amtierenden US-Präsidenten Barack Obama.

Beide haben der Wahlkämpferin Clinton etwas vorgemacht, was ihrer Kampagne bislang gefehlt hatte und sie im nächsten Absatz ihrer Rede clever aufgriff: Politiker wirken dann herausragend, wenn sie ihre persönliche Botschaft auf das Land beziehen. Obama versprach den USA neue Hoffnung, Trump stellt dem Volk übermächtige Großartigkeit in Aussicht.

"Mehr Liebe und Freundlichkeit" für Amerika

Und so fügte Clinton ihrer Rede eine emotionale Schlüsselpassage hinzu, die für die kommenden Monate im Rennen gegen das Wutschnauben eines Donald Trump eine ihrer Strategien sein könnte: "Ich weiß, es scheint ein seltsamer Schritt für jemanden, der sich in diesen Zeiten um das Amt im Weißen Haus bewirbt, davon zu sprechen, dass wir mehr Liebe und Freundlichkeit in Amerika benötigen. Aber ich sage euch, von ganzem Herzen, das tun wir. Das tun wir in der Tat. Es gibt noch so viel, auf das wir uns freuen können. Ich habe nämlich keine Zweifel, dass Amerikas beste Jahre noch vor uns liegen."

Nachdem ihr zu oft nachgesagt wurde, sie berühre die Wähler nicht auf einer übertragenen Ebene, hat sie mit diesen beiden Themen – Liebe und Ausdauer – womöglich jetzt ihre emotionale Ansprache für sich entdeckt. Ob diese Botschaft bundesweit Anklang findet, wird sich noch zeigen müssen. Zumindest in South Carolina ging sie in lauten Applaus und Jubelschreie über.