Die USA haben ihren Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ausgeweitet und in der Nacht zu Freitag mehrere Ziele in Libyen bombardiert. Nach Angaben der Regierung in Washington wurde ein Trainingslager der Islamisten getroffen und ein hoher IS-Funktionär getötet. Um wen es sich dabei handelt und wo genau die Kampfflugzeuge angriffen, wurde allerdings nicht gesagt.

Wie die New York Times berichtet, galten die Luftangriffe vor allem einem IS-Lager nahe der Stadt Sabratha, 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis. Demnach wurden bei dem Bombardement 30 IS-Kämpfer getötet. Unter den Toten soll auch Noureddine Chouchane sein, ein hochrangiger Dschihadist aus Tunesien, der im vergangenen Jahr an zwei Anschlägen in seinem Heimatland beteiligt gewesen sein soll. Er gilt als Hauptverantwortlicher für die Attentate auf ein Museum und an einem Strand in Tunesien.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor fünf Jahren versinkt Libyen im Chaos. Beherrscht wird es von zahlreichen bewaffneten Milizen, eine nationale Regierung gibt es nicht. Stattdessen rivalisieren zwei Regierungen und Parlamente: So konkurriert ein international anerkanntes Abgeordnetenhaus im ostlibyschen Tobruk mit einer Kammer in der Hauptstadt Tripolis, die von Islamisten dominiert wird.

Dieses Machtvakuum nutzt der IS, um sich in dem nordafrikanischen Land auszubreiten. Libyen gilt mittlerweile als Rückzugsort für viele islamistische Kämpfer aus Syrien und dem Irak, die den dortigen Luftangriffen auf ihre Stellungen entgehen wollen. Die Terrormiliz hat im Norden – rund um ihre Hochburg Sirte – größere Gebiete erobert und versucht eine Expansion zu den Ölfördergebieten im Süden des Landes.

Dies wollen die USA und ihre Verbündeten innerhalb der internationalen Koalition gegen den IS nicht hinnehmen. Das US-Verteidigungsministerium hatte bereits angekündigt, diesen Kampf zu intensivieren und eine weitere Machtausweitung der Islamisten zu verhindern. Nach Informationen französischer und britischer Medien bereiten die USA, Frankreich und Großbritannien bereits seit Monaten einen Luftkrieg in Libyen vor. Die Aufklärung erfolge bereits mit Satelliten, Drohnen und bemannten Flugzeugen.