Teilnehmer des Mahnganges "Täterspuren" demonstrieren in Dresden gegen eine revisionistische Erinnerungskultur. © Sebastian Kahnert/ dpa

Dresden hat mit zahlreichen Veranstaltungen an die Bombardierung der Stadt vor 71 Jahren erinnert. Höhepunkt war am Abend eine Menschenkette, mit der rund 13.000 Bürger ein Zeichen für Miteinander und Toleranz setzten. Unter dem Geläut der Kirchenglocken verband sie am Abend beide Seiten der Elbe. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) forderte die Menschen auf, Lehren aus dem Geschehenen zu ziehen. "Wer die Vergangenheit von vor über 70 Jahren von dem trennt, was wir heute in Teilen der Welt erleben, wer sein Herz gegenüber denjenigen verschließt, die bei uns Schutz suchen, der hat die Botschaft des 13. Februars nicht verstanden."

Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 hatten alliierte Bomberverbände Tausende Sprengsätze und Brandbomben über Dresden abgeworfen. Die Altstadt wurde fast vollständig zerstört.

Auf dem Heidefriedhof gedachten viele Menschen der Opfer von Krieg und Faschismus. An dem vom linken Bündnis Dresden nazifrei organisierten Mahngang Täterspuren nahmen nach Schätzung der Veranstalter rund tausend Menschen teil, um an verschiedenen Orten an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben etwa eintausend Beamte im Einsatz.

Eine Gedenkveranstaltung fand auch auf dem Äußeren Matthäusfriedhof, am Güterbahnhof Neustadt statt, von dem aus in der NS-Zeit Juden deportiert wurden. Eine weitere Veranstaltung gab es am Urnenhain Tolkewitz, wo sich eine Gedenkstätte für die Euthanasieopfer der NS-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein befindet.

Auch in und vor der Frauenkirche, die bei den Luftangriffen zerstört und vor einigen Jahren wieder aufgebaut wurde, trafen sich Menschen in stillem Gedenken. Heute gilt die Frauenkirche als Symbol für Frieden und Versöhnung. Am frühen Abend wollen Dresdner Bürger mit einer Menschenkette durch die Innenstadt nicht nur an die Zerstörung der Stadt erinnern, sondern angesichts der Demonstrationen der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung auch ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz setzen. Gegen 18.00 Uhr soll sich die Menschenkette auf beiden Seiten der Elbe schließen.

600 Rechtsextreme halten Mahnwache ab

Pegida geht seit Oktober 2014 fast wöchentlich auf die Straße und macht Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge, Politiker und Medien. Erst vor einer Woche hatte das antiislamische Bündnis mit bis zu 8.000 Anhängern in Dresden demonstriert. Schon Jahre vor Pegida missbrauchten Rechtsradikale das Gedenken an die Zerstörung Dresdens für ihre Propaganda. Regelmäßig versuchen Neonazis den Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber für ihre Zwecke auszunutzen. So hatten sie für den Freitagabend eine Mahnwache "zu Ehren der Dresdner Luftkriegstoten" und einen Gedenkmarsch angemeldet. Rund 600 Rechtsextreme zogen schließlich durch die Stadt. Etwa 300 Menschen demonstrierten gegen den Aufmarsch.

Neonazis und "Patriotische Europäer" folgen dabei einer langen Tradition in der Stadt: Dresden war schon im Dritten Reich eine Hochburg der Nationalsozialisten. In der Elbestadt fanden nicht nur die erste Bücherverbrennung und die erste Ausstellung über "Entartete Kunst" statt. Das Deutsche Hygiene-Museum spielte auch eine bedeutende Rolle in der Rassenideologie der Nazis, die letztlich auch zur Tötung sogenannten unwerten Lebens führte.