Ein von der griechischen Küstenwache gestoppter mutmaßlicher Schleuser © Giorgos Moutafis/Reuters

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Nato am Kampf gegen Schleuser in der Ägäis zu beteiligen. "Eine Präsenz der Nato-Schiffe in der Meerespassage zwischen Griechenland und der Türkei wäre ein ganz entscheidender Schritt, um den Schlepperbanden das Geschäft zu erschweren", sagte die Ministerin der ZEIT.

Sie verwies darauf, dass der Verband turnusgemäß unter deutscher Führung stehe. In ihm seien aktuell auch türkische und griechische Schiffe eingebunden. "Die Strukturen zur nahtlosen Abstimmung stehen und sind eingeübt", sagte die Ministerin. Die Außengrenze der EU könne an dieser Stelle "wirksamer als bisher" kontrolliert werden.

Die Nato-Verteidigungsminister beraten am heutigen Mittwoch in Brüssel über den deutsch-türkischen Vorschlag, die Nato bei der Überwachung der türkischen Küste in der Flüchtlingskrise einzusetzen. Zum Auftakt des Treffens sagte von der Leyen, Deutschland werde sich an einem Nato-Einsatz gegen Menschenschlepper beteiligen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Vorhaben am Montag bei einem Besuch in der Türkei publik gemacht. Mit ihrem Vorstoß sorgte sie für Irritationen beim Koalitionspartner SPD. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, die Nato könne allenfalls bei der Aufklärung eingebunden werden. Auch der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, äußerte sich skeptisch.

In der ZEIT sagte von der Leyen, nationale Grenzzäune allein lösten keine Probleme. "Hätten wir stattdessen die ganze Energie in die Sicherung der europäischen Außengrenzen investiert, wären wir heute deutlich weiter." Es sei ein "Skandal, dass kriminelle Schlepperbanden darüber entscheiden, wie viele Menschen von einem Nato-Staat in einen anderen gelangen können, und damit ein Vermögen verdienen".

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