Die Vorwahlen in den USA haben gerade erst begonnen und schon entwickeln sie sich zu einem leibhaftigen "Game of Thrones": Könige stolpern, Königinnen straucheln, Außenseiter stürzen ebenso schnell ab wie sie aufstiegen, Gestalten im Hintergrund versuchen, die Fäden zu ziehen, und am Ende kann sich niemand sicher sein, wie lange er oben stehen wird.

In New Hampshire triumphierten die beiden Außenseiter im Rennen um die Präsidentschaftswahl. So überzeugend waren die Zahlen, dass Donald Trump und Bernie Sanders bereits kurz nach Schließung der Wahllokale offiziell zum Sieger der Republikaner bzw. Demokraten erklärt wurden.

Sanders ruderte wie gewohnt mit den Armen, als er mit heiserer Stimme den Triumph auskostete. "Ich möchte die Möglichkeit nutzen, den vielen, vielen Freiwilligen in New Hampshire zu gratulieren. Wir haben Dank eurer Einstellung gewonnen." Die Bewegung, die Sanders besonders unter jungen Wählern in Gang gesetzt hat, rollt nach diesem Sieg munter zur nächsten Vorwahl. "Zusammen haben wir heute hier eine Botschaft ausgesandt, die von der Wall Street bis Washington, von Maine bis Kalifornien zu hören sein wird. Nämlich: dass die Regierung dieses großartigen Landes dem Volk gehört."

US-Vorwahlen - Sanders und Trump gewinnen in New Hampshire Die Überraschung dieser Vorwahl ist das starke Ergebnis des Senators Bernie Sanders, der nun deutlich vor Hillary Clinton liegt. Bei den Republikanern hat sich Donald Trump die meisten Stimmen gesichert.

Er macht nur Spaß

Am Vorabend der Wahl lief in der Verizon Wireless Arena You Can’t Always Get What You Want von den Rolling Stones über die riesigen Lautsprecher der umgebauten Eishockeyhalle, bevor Donald Trump ein letztes Mal seine eigenen Anhänger aufs Glatteis schickte: "Draußen schneit es wie verrückt. Ich weiß nicht, wie ihr nach Hause kommt. Es ist mir auch egal, ob euch etwas zustößt – solange ihr morgen wählen geht."

Der zweite Platz in der Iowa-Vorwahl hatte offensichtlich nur kurz an Trumps Gewinnerego genagt. In New Hampshire lief er zu alter Form auf, obwohl sein Team versuchte, mögliche Verbalausfälle so kurz vor Stimmabgabe zu unterdrücken. "Leute, ich mache nur Spaß", schob Trump vielleicht auch deshalb hinterher. "Natürlich soll euch nichts passieren. Aber geht morgen wählen!"

Der Schlingel Trump weiß: Nur wer brav ist, kann auch wieder frech werden. "Das hier ist ein ganz besonderer Moment. Meine Frau hat gesagt, als ich beschlossen habe anzutreten, dass ich gewinnen werde. Unglaublich." Er müsse den anderen Kandidaten danken, sagte er auf seiner Wahlparty. "Meine persönlichen Glückwünsche gehen auch an Bernie Sanders. Ja, doch. Ich wünsche ihm viel Glück. Wir werden Amerika wieder groß herausbringen, aber auf altmodische Art und Weise. Die Welt wird uns wieder respektieren."

"Spricht aus, was andere bloß denken"

Amerikas internationalen Bedeutungsverlust unter Präsident Obama können die Republikaner gar nicht oft genug erwähnen. Schläge in diese gutausgehöhlte Kerbe kommen bei den Anhängern an. "Er spricht aus, was andere Leute bloß denken", sagte einer von Trumps Fans am Wahlabend. Es ist der unvermeidliche Satz seiner Wutwähler. Haben die gar keine Angst, dass ein Präsident Trump sämtliche diplomatischen Beziehungen der USA mit einem Halbsatz gefährden könnte? "Die halbe Welt hasst uns eh, da ist es auch egal, ob er Putin auf den Schlips tritt." Man müsse das ganz anders sehen, ergänzte die Frau an seiner Seite: "Angst erzeugt Respekt."

Eine Mischung aus Angst und Respekt – das empfindet mittlerweile wohl auch das Establishment der Republikaner für Trump. Noch sucht der gemäßigte Flügel nach einem geeigneten Kandidaten aus dem moderaten Lager, der Trump wieder auf die Rolle des Hofnarren schrumpfen lassen soll.

Doch einer der Hoffnungsträger der republikanischen Parteiführung, Marco Rubio, geht aus dem gestrigen Abend deutlich angeschlagen hervor. Dabei schien es für ihn zunächst gut zu laufen. "Wir sind sehr zufrieden, wie die Dinge momentan stehen", sagte Rubios Chefstratege Todd Harris, noch am Vorabend der letzten TV-Debatte zu ZEIT ONLINE. Weil Rubio es in Iowa überraschend auf Platz drei der republikanischen Bewerber geschafft hatte, schienen die Chancen gut, dass er daraus in New Hampshire einen zweiten Platz machen könnte. Doch es reichte dann nur für Platz fünf.

Der Grund: Bei der Debatte verhaspelte sich der Senator von Florida am vergangenen Samstag mit einer gleich dreifach aufgesagten Phrase über Barack Obamas Präsidentschaft. Es hagelte Spott von den Gegenkandidaten und viel Häme im Internet.

Rubio hatte sich mit seinem Roboter-Auftritt selbst schwer geschadet, wie er nach der Wahl selbst zugab: "Viele von euch sind enttäuscht. Ich in enttäuscht. Das Ergebnis heute Abend ist meine Schuld, nicht eure." Er sei zu unerfahren, zu träge, hieß es schon früher über ihn. Diese Urteile trägt er jetzt mit sich herum wie ein I-Männchen seine Schärpe. "Ich habe bei der Debatte am Samstag Fehler gemacht. Ich verspreche euch, dass das nie wieder passiert." Falls doch, könnte seine Kandidatur schneller vorüber sein als gehofft.